Was Aus Liebe Getan Wird Geschieht Immer Jenseits Von Gut Und BSe?

Was Aus Liebe Getan Wird Geschieht Immer Jenseits Von Gut Und BSe
Einzelnachweise –

  1. ↑ Volker Gerhardt : „Philosophie als Schicksal”, Nachwort in: Nietzsche: Jenseits von Gut und Böse. Vorspiel einer Philosophie der Zukunft. Reclam, Stuttgart 1988, S.223–238, hier 226
  2. ↑ Zitate aus Jenseits von Gut und Böse erfolgen jeweils nach dem Sigel JGB und der Nummer des Aphorismus, so dass sie in verschiedenen Ausgaben wiedergefunden werden können. Der Text entspricht der Kritischen Studienausgabe
  3. ↑ KSA 5, 421
  4. ↑ Mazzino Montinari: Nietzsche. Eine Einführung, de Gruyter, Berlin 1991, Gliederung des Inhaltsverzeichnisses, S. XV
  5. ↑ Also sprach Zarathustra II: Von der Selbstüberwindung
  6. ↑ Volker Gerhardt: Die Funken des freien Geistes. Neuere Aufsätze zu Nietzsches Philosophie der Zukunft. de Gruyter, Berlin 2011, 108
  7. ↑ Friedrich Nietzsche: Nachgelassene Fragmente Herbst 1884 – Herbst 1885, Nachbericht zur 7. Abteilung, Band 4, Halbband 2, hrsg. von Giorgio Colli und Mazzino Montinari, KGW VII 4/2, de Gruyter, Berlin 1985, 62–63
  8. ↑ Laurence Lampert: Nietzsche’s task. An Interpretation of ‘Beyond Good and Evil’, Yale University, London 2001, 5
  9. ↑ KSA 14, 345
  10. ↑ Walter Arnold Kaufmann: Nietzsche: Philosoph – Psychologe – Antichrist. Nach der 4. Auflage 1974 übersetzt, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2. Aufl.1988, 108
  11. ↑ KSA 14, 345 sowie Brief an R. von Seydlitz vom 26. Oktober 1886, KSB 7, 270
  12. ↑ Brief an Georg Brandes vom 10. April 1888
  13. ↑ Friedrich Nietzsche: Nachgelassene Fragmente Herbst 1884 – Herbst 1885, hrsg. von Giorgio Colli und Mazzino Montinari, KGW VII1, de Gruyter, Berlin 1974, IX
  14. ↑ Laurence Lampert: Nietzsche’s task. An Interpretation of ‘Beyond Good and Evil’, Yale University, London 2001, 8
  15. ↑ Hierauf verweist Nietzsche selbst im Nachlass Herbst 1885-Herbst 1886, 2 : „Daß jede Erhöhung des Menschen die Überwindung engerer Interpretationen mit sich bringt, daß jede erreichte Verstärkung und Machterweiterung neue Perspektiven aufthut und an neue Horizonte glauben heißt – dies geht durch meine ‚Schriften‘.”
  16. ↑ Nachlass H 1885 – H 1886 2
  17. ↑ Nachlass Herbst 1885-Herbst 1886, 2
  18. ↑ Nachlass Herbst 1885–Herbst 1886 2
  19. ↑ https://www.youtube.com/watch?v=MNo5QzcH7Y4
  20. ↑ Robert Ardrey: The Territorial Imperative – A Personal Investigation into the Animal Origins of Property and Nations. (1966), deutsch: Adam und sein Revier. Gebundene Ausgabe – 1. Januar 1968
  21. ↑ Wolfgang Röd : Nietzsche. In: ders.: (Hrsg.): Geschichte der Philosophie. Band XIII, Beck, München 2002, 59–112, hier 84
  22. ↑ Siehe: Alfred North Whitehead: Prozess und Realität und die dort gegebenen Nachweise
  23. ↑ Nachlass Sommer-Herbst 1884 26 : „Unsere Werthschätzungen bestimmen welche Dinge überhaupt wir acceptiren und wie wir sie acceptiren. Diese Werthschätzungen aber sind eingegeben und regulirt von unserem Willen zur Macht.”
  24. ↑ Nachgelassene Schriften. August bis September 1885, KGW VII 40
  25. ↑ Der Ursprung der moralischen Empfindungen, 1877
  26. ↑ Henning Ottmann : Politik und Philosophie bei Nietzsche. de Gruyter, 2. verbesserte Aufl.1999, 205
  27. ↑ z.B. zitiert bei Wolfgang Röd: Nietzsche. In: ders.: (Hrsg.): Geschichte der Philosophie. Band XIII, Beck, München 2002, 59–112, hier 81
  28. ↑ KSA 11, Nachlass Juni-Juli 1885 38, S.610–611
  29. ↑ Volker Gerhardt: Vom Willen zur Macht. Anthropologie und Metaphysik der Macht am exemplarischen Fall Friedrich Nietzsches. Berlin 1996, S.271ff und 304ff
  30. ↑ Nachlass H 1885 – H 1886 2
  31. ↑ Wolfgang Müller-Lauter: Nietzsche. Seine Philosophie der Gegensätze und die Gegensätze seiner Philosophie. Berlin 1971, 30ff; vgl. auch Günter Abel : Nietzsche. Die Dynamik der Willen zur Macht und die ewige Wiederkehr, de Gruyter, 2. Auflage, Berlin 1998, 22ff
  32. ↑ Nachlass H 1885 – H 1886 2, siehe auch 2
  33. ↑ siehe Fröhliche Wissenschaft FW 125 und Also sprach Zarathustra, Za II Von den Mitleidigen
  34. ↑ Winfried Schröder: Moralischer Nihilismus. Radikale Moralkritik von den Sophisten bis Nietzsche. Reclam, Stuttgart 2005, 30
  35. ↑ Werner Stegmaier: Philosophie der Orientierung, de Gruyter, Berlin 2008, 543
  36. ↑ Friedrich Nietzsche: De Theognide Megarensi, In: Kritische Gesamtausgabe (KGW), hrsg. von Giorgio Colli und Mazzino Montinari, Bd. I 3, de Gruyter, Berlin 2006, S.420–462.
  37. ↑ Winfried Schröder: Moralischer Nihilismus. Radikale Moralkritik von den Sophisten bis Nietzsche. Reclam, Stuttgart 2005, 34–37
  38. ↑ Eine ähnliche Argumentationskette findet sich bereits in Menschliches, Allzumenschliches MA I, 39: „So macht man der Reihe nach den Menschen für seine Wirkungen, dann für seine Handlungen, dann für seine Motive und endlich für sein Wesen verantwortlich.”
  39. ↑ Josef Simon: Das Judentum und Europa bei Nietzsche, Heidelberg 1998, insb.112–125
  40. ↑ Werner Stegmaier: Nietzsche, die Juden und Europa. In: Werner Stegmaier (Hrsg.): Europa-Philosophie, de Gruyter, Berlin 2011, 67–92, hier 67
  41. ↑ Ralf Wilter: Europa im Denken Nietzsches, 91 FN 201
  42. ↑ Giorgio Colli: Distanz und Pathos. EVA, Hamburg 1993, 99/100
  43. ↑ Rudolf Steiner zitiert nach: Richard Frank Krummel: Ausbreitung und Wirkung des Nietzscheschen Werkes im deutschen Sprachraum bis zum Todesjahr. de Gruyter, 2. Aufl. Berlin 1988, 174
  44. ↑ Hans Vaihinger: Die Philosophie des Als Ob, Berlin 1911, 771
  45. ↑ Ernst Troeltsch: Gesammelte Schriften Band 2 (Zur religiösen Lage, Religionsphilosophie und Ethik), Mohr, Tübingen 1913, 530–531
  46. ↑ Zitiert nach: Reinhard Gasser: Nietzsche und Freud. de Gruyter, Berlin 1997, 49
  47. ↑ Sigmund Freud: Zur Psychopathologie des Alltagslebens, 3. vermehrte Auflage, Berlin 1910, GW 4, S.77–78 – Freud irrte sich bei der Angabe des Hauptstücks, das korrekt das 4. ist, das den Aphorismus 68 enthält; zitiert nach: Reinhard Gasser: Nietzsche und Freud, de Gruyter, Berlin 1997, 43
  48. ↑ Sigmund Freud: Zur Geschichte der psychoanalytischen Bewegung GW 10, 102; zitiert nach: Reinhard Gasser: Nietzsche und Freud. de Gruyter, Berlin 1997, 66
  49. ↑ Martin Staemmler: Rassenpflege im völkischen Staat, zweite vermehrte und verbesserte Auflage, J.F. Lehmann, München 1933; zitiert nach: Thomas Mittmann: Vom „Günstling” zum „Urfeind” der Juden: die antisemitische Nietzsche-Rezeption in Deutschland bis zum Ende des Nationalsozialismus. Königshausen & Neumann, Würzburg 2006, 110
  50. ↑ Thomas Mittmann: Vom „Günstling” zum „Urfeind” der Juden: die antisemitische Nietzsche-Rezeption in Deutschland bis zum Ende des Nationalsozialismus. Königshausen & Neumann, Würzburg 2006, 90–91; Mazzino Montinari: Nietzsche lesen, de Gruyter, Berlin 1982, 169
  51. ↑ Martin Heidegger: Nietzsche. Pfullingen, 4. Aufl.1961, 55
  52. ↑ Walter Arnold Kaufmann: Nietzsche: Philosoph – Psychologe – Antichrist. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1988, 237–238; siehe auch: ders.: Nietzsche als der erste große Psychologe, in: Nietzsche – Studien 7, 1978, 269
  53. ↑ Wolfgang Müller-Lauter: Heidegger und Nietzsche. de Gruyter, Berlin 2000, 32; die angesprochene Stelle findet sich in der Heidegger-Gesamtausgabe, Band 43: Nietzsche: Der Wille zur Macht als Kunst (Wintersemester 1936/37), Hrsg.: B. Heimbüchel, 1985, 53–66; Müller-Lauter schließt sich in der Beurteilung der Vielheit Paul van Tongeren: Die Moral von Nietzsches Moralkritik. Studie zu Nietzsches „Jenseits von Gut und Böse”. Bouvier, Bonn 1989, 243, an (S.156).
  54. ↑ Dialektik der Aufklärung, 140
  55. ↑ Dialektik der Aufklärung, 141
  56. ↑ Arthur C. Danto: Nietzsche und der semantische Nihilismus, in: Alfredo Guzzoni (Hrsg.): 100 Jahre philosophische Nietzsche-Rezeption, Athenäum, Frankfurt 1991, 140–154, hier 145
  57. ↑ Volker Gerhard: Pathos und Distanz. Studien zur Philosophie Friedrich Nietzsches. Reclam, Stuttgart 1988, (Zur Einführung, 5–11)
  58. ↑ Volker Gerhard: Die Perspektive des Perspektivismus. In: Nietzsche-Studien 18, 1989
  59. ↑ Michael Hampe in: Michael Hampe und Helmut Maaßen (Hrsg.): Materialien zu Whiteheads »Prozeß und Realität«: Band 1: Prozeß, Gefühl und Raum-Zeit. Suhrkamp. Frankfurt 1991, 22–25 sowie George Herbert Mead : Analyse von Whiteheads Idee des Perspektivismus. In: Michael Hampe, Helmut Maaßen, Dominic Kaegi und Lalitha Maaßen-Venkateswaran (Hrsg.): Materialien zu Whiteheads »Prozeß und Realität«: Band 2: Die Gifford Lectures und ihre Deutung. Suhrkamp, Frankfurt 1991, 89–99
  60. ↑ Friedrich Kaulbach: Philosophie des Perspektivismus I. Mohr Siebeck, Tübingen 1990, 20
  61. ↑ Friedrich Kaulbach: Philosophie des Perspektivismus I. Mohr Siebeck, Tübingen 1990, 221
  62. ↑ John Richardson: Nietzsche’s System. OUP, Oxford 1996, 12
  63. ↑ John Richardson: Nietzsche’s System. OUP, Oxford 1996, 36–38
  64. ↑ Giorgio Colli: Distanz und Pathos. EVA, Hamburg 1993, 105–108
  65. ↑ Giorgio Colli: Distanz und Pathos. EVA, Hamburg 1993, 106
  66. ↑ Giorgio Colli: Distanz und Pathos. EVA, Hamburg 1993, 107

Was versteht Nietzsche unter Nihilismus?

Nihilismus | Philosophie Magazin Vom lat. nihil: „nichts”. Eine Geisteshaltung oder Doktrin, die das Sein und das Absolute negiert und zum Relativismus hin tendiert. In der altgriechischen Philosophie werden manchmal die sophistische Denkschule (vor allem das Denken des Gorgias, der polemisch behauptet, dass „das Seiende nicht ist”), und auch die der Skeptiker als nihilistisch bezeichnet.

  • In der deutschen Philosophie taucht dieser Begriff nicht vor 1787 auf, und er erlangt erst in den antimetaphysischen Debatten des 19.
  • Jahrhunderts seine volle philosophische Bedeutung.
  • In Anlehnung an Mephistopheles, der in Goethes Faust behauptet, „alles, was entsteht, / Ist wert, daß es zugrunde geht; / Drum besser wär’s, daß nichts entstünde”, haben die Nihilisten eine pessimistische Sicht auf die Welt und ihre Werte.

Nietzsche unterteilt die Nihilisten in passive (wie Schopenhauer) und reaktive (wie die russischen Anarchisten, die die Gewalt und Zerstörung des Staates predigen und wie Sergey Nechayev zur „gnadenlosen Zerstörung” aufrufen). Nietzsche setzt ihnen einen aktiven Nihilismus entgegen, der allein es ermöglicht, alle Werte umzuwandeln und eine neue Welt zu schaffen, in der der Übermensch, also der Schöpfer seiner eigenen Werte, triumphiert.

Was meint Nietzsche mit jenseits von Gut und Böse?

Wirkungsgeschichte – Jenseits von Gut und Böse hatte geringfügig bessere Verkaufszahlen als viele andere Werke Nietzsches, deren Druck er meist mit eigenem Geld unterstützte. Erstaunlicherweise blieben aber auch bei diesem Werk sowohl Zu- als auch Widerspruch weitgehend aus.

  • Zu Lebzeiten wurde Nietzsche hauptsächlich ignoriert.
  • Er selbst hatte so etwas erwartet: „Posthume Menschen – ich zum Beispiel – werden schlechter verstanden als zeitgemäße, aber besser gehört.
  • Strenger: Wir werden nie verstanden – und daher unsre Autorität,”, schrieb er in der Götzen-Dämmerung,
  • Er sollte Recht behalten: Mittlerweile gilt Nietzsche als entscheidende Inspirationsquelle für die Denker und Dichter der klassischen Moderne ebenso wie für jene der Postmoderne.

Sein Einfluss auf die neuere Kunst, Literatur und Philosophie ist einzigartig. Nietzsche war sich seiner langfristigen Wirkung anscheinend durchaus bewusst, denn in Ecce Homo diagnostizierte er: „Ich bin kein Mensch. Ich bin Dynamit.” : Jenseits von Gut und Böse von Friedrich Nietzsche — Gratis-Zusammenfassung

Was sagt Friedrich Nietzsche?

Also sprach Zarathustra – In seinem Werk „Also sprach Zarathustra” thematisiert Nietzsche die Idee des Übermenschen. Der Übermensch sei ein höherer Mensch, der neue Moral schafft. Er lasse sich nicht von Religion, Ethik, Moral beherrschen, sondern herrsche selbst.

Zuvor müsse es zur Umstoßung aller Werte und Normen kommen. Auch Gott müsse neu erschaffen werden. Nietzsche geht davon aus, dass dieser Mensch noch nicht existiert. Er geht außerdem von der Ungerechtigkeit des Lebens an sich aus. Später wurde der Begriff des Übermenschen von der NS-Diktatur für ihre Zwecke missbraucht.

Passend dazu formulierte Kurt Tucholsky: „Einige Analphabeten der Nazis, die wohl deshalb unter die Hitlerschen Schriftgelehrten aufgenommen worden sind, weil sie einmal einem politischen Gegner mit dem Telephonbuch auf den Kopf gehauen haben, nehmen Nietzsche heute als den ihren in Anspruch.

Wie denkt ein Nihilist?

Der Nihilismus ist laut Duden in der Gesellschaft immer populärer. In diesem Praxistipp haben wir den Begriff einfach für Sie erklärt. Die mit einem Symbol oder farbiger Unterstreichung gekennzeichneten Links sind Affiliate-Links. Kommt darüber ein Einkauf zustande, erhalten wir eine Provision – ohne Mehrkosten für Sie! Mehr Infos.

Der Begriff Nihilismus lässt sich übersetzen mit einer Überzeugung, dass alles Seiende sinnlos ist. Nihilismus kommt von dem lateinischen Wort “nihil”, welches so viel wie “nichts” bedeutet. Menschen, die dem Nihilismus folgen und nach diesem leben, lehnen sämtliche Ziele und Werte ab. Die Anhänger sind der Meinung, dass sämtliches Streben, Wollen und alle Bemühungen der Menschen nutzlos sind. Auch können die Anhänger für viele Dinge, über die sich die meisten Menschen freuen würden, keinerlei Freude verspüren. Oftmals werden diese Dinge auch abgelehnt und nicht weiter mit Begeisterung oder guter Laune betrachtet. Der Nihilismus wurde in der früheren Geschichte auch als polemische Position genutzt, vor allem bei der Ablehnung von Religion und Kirche.

Duden: Nihilismus – einfach erklärt Im nächsten Praxistipp erklären wir Ihnen, was genau ein Hipster ist,

Wie lebt ein Nihilist?

Philosophie – Im philosophischen Sinn bezeichnet Nihilismus Lehren, die entweder die Existenz einer Wirklichkeit (metaphysischer Nihilismus), die Geltung eines Sittengesetzes (ethischer Nihilismus) oder den Bestand irgendeiner Wahrheit (logischer Nihilismus) verneinen.

  • ein Sinn des Lebens
  • ein Sinn der Weltgeschichte
  • Existenz übernatürlicher Wesen
  • erkennbare Tatsachen
  • moralische Verbindlichkeit, Werte etc.

Im ersten und zweiten Fall verneinen Nihilisten, dass irgendeine Religion, Weltanschauung, philosophische oder politische Lehre den richtigen Weg zu leben weisen kann und lehnen daher jede Form von Engagement ab. Als problematisch kann hier die Aufrechterhaltung von Sinn als Motivation zur Handlung erlebt werden.

Was sagt Nietzsche zu Moral?

Der Aufstieg des Nihilismus – Vor der Zeit der asketischen Ideale war die Frage nach dem Sinn des Daseins und dem des Leidens unbeantwortet. Das Leiden an sich war für die Menschen nie ein Problem, die Frage danach, wofür man leidet, aber sehr wohl. Das asketische Ideal mit seiner Weltverneinung, seinem Abscheu vor der Sinnlichkeit und seinem Hass auf alles Menschliche gab schließlich eine Antwort und einen Sinn, es gab dem Willen des Menschen wieder eine Richtung.

Darauf basierte die Macht des asketischen Ideals. „Alle Instinkte, welche sich nicht nach außen entladen, wenden sich nach innen – dies ist das, was ich die Verinnerlichung des Menschen nenne: Damit wächst erst das an den Menschen heran, was man später seine ‚Seele‘ nennt.” (S.76) Letztlich war aber bisher kein Ideal wirklich geeignet, um den Menschen ausreichend Sinn zu geben.

Wer sich heute für „gut” hält, ist verblendet von zu viel Moral, die den Blick auf das Wesentliche verschließt. Dass dieser Tage der Nihilismus immer mehr Terrain erobert, ist aufgrund des Scheiterns des asketischen Ideals kein Wunder: Es fehlt schlechterdings an besseren Idealen.

  1. Der Mensch hat aber grundsätzlich einen Willen, den er in eine Richtung lenken muss: Eher will er das Nichts, als dass er gar nichts will.
  2. Zur Genealogie der Moral besteht aus einer Vorrede und drei Abhandlungen: Die erste erläutert die Begriffspaare „Gut und Böse” bzw.
  3. Gut und Schlecht”, die zweite behandelt u.a.

die Schuld und das schlechte Gewissen, die dritte geht der Frage nach, was asketische Ideale bedeuten. Im Gegensatz zu vielen seiner anderen Schriften bemüht sich Nietzsche hier um einen systematischen, stringent argumentierenden Text und verzichtet größtenteils auf die für ihn üblichen Aphorismen.

Dass eine aggressive Streitschrift aber nicht objektiv sein kann, ist ihm durchaus bewusst. „Die drei Abhandlungen, aus denen diese Genealogie besteht, sind vielleicht in Hinsicht auf Ausdruck, Absicht und Kunst der Überraschung das Unheimlichste, was bisher geschrieben worden ist”, sagte er rückblickend in seiner Biografie Ecce homo,

Mal nimmt sich Nietzsche stark zurück und zwingt sich zur Objektivität, mal verblüfft er mit Vergleichen von lyrischer Qualität, dann wieder braust er regelrecht auf und rattert seine Argumente im Stakkato herunter. Interpretationsansätze

Nietzsche liefert keine Moraltheorie, sondern eine Moralkritik : Er fragt nicht danach, wie die Menschen handeln sollen, sondern lediglich nach der Entwicklungsgeschichte der Moral. Untersucht werden die Gründe dafür, warum die Menschen glauben, so oder anders handeln zu müssen.Nietzsches Methode besteht darin, gängige Moralvorstellungen auf ihren wahren Kern hin zu untersuchen. Das Ziel dieser historisch-etymologischen Vorgehensweise : die hergebrachten Werte als zweifelhaft und verlogen zu entlarven und sie damit zu demontieren.Nietzsche sieht die Moral als Herrschaftsinstrument, Die Unterscheidung von Gut und Böse, von Gut und Schlecht hat seiner Meinung nach keine ethische Grundlage, sondern beruht auf dem Willen, eine bestimmte Ideologie zu verankern. Hinter den moralischen Bestrebungen der Priesterkaste etwa sieht er deren „Wille zur Macht”.Viele der in Jenseits von Gut und Böse bereits vorgebrachten Themen werden in der Genealogie vertieft. Nietzsches Angriffsziele bleiben dieselben: Er schießt vor allem gegen das Christentum, die Demokratie und das Mitleid,Nietzsches Unterscheidung zwischen „Herren- und Sklavenmoral” wurde als hochgradig reaktionäres Gesellschaftsverständnis interpretiert. Tatsächlich prangert er in späteren Schriften so ziemlich jede Entwicklung der Moderne – Sozialismus und Anarchismus ebenso wie Nihilismus – als dekadente Entwicklungen an. Nur die „Umwertung aller Werte” könne dagegen helfen. Wie er sich diese vorstellte, darüber rätselt man allerdings heute noch.Ein zentraler Begriff in der Genealogie ist das Ressentiment, also der versteckte Groll. Es ist für Nietzsche die Keimzelle der „Sklavenmoral”: Weil die Sklaven gegen ihre Herren nicht aufbegehren könnten, lebten sie permanent mit heimlichen Rachegefühlen – deren Einlösung sie z.B. im Christentum dem Jenseits oder der göttlichen Rache anvertrauen.In der dritten Abhandlung über das asketische Ideal zeigt sich Nietzsche auch als Wissenschaftsskeptiker, In ihrem positivistischen Eifer, der nichts als Tatsachen gelten lasse, sei die Wissenschaft nicht Überwinderin, sondern Vollenderin des asketischen Ideals.

Während sich die Moraltheologie auf kirchliche Glaubenssätze stützt, versucht die Moralphilosophie oder Ethik vernunftbasierte Gesetze aufzustellen, die ein „höchstes Gut” bewahren sollen. Es lässt sich zwischen Gesinnungs- und Verantwortungsethik unterscheiden.

Erstere fragt nach dem Zweck einer Handlung: Ist der Zweck gut, dann heiligt er die Mittel. Letztere macht die Folgen einer Tat zum Maßstab moralischen Handelns. Die Geschichte der abendländischen Moralphilosophie beginnt bei Sokrates und seinem Schüler Platon, Beide glaubten an ein moralisches Ideal, das der Mensch niemals erreichen könne, wohl aber anstreben solle.

Diesem sittlichen Ideal entgegengesetzt war der Epikureismus (abgeleitet vom griechischen Philosophen Epikur ), der den persönlichen Seelenfrieden und die Lust als erstrebenswerte Ideale ansah. In der Neuzeit verlagerte die Moralphilosophie ihren Fokus von einer individuellen Moral hin zu einer Sozialmoral; es galt, das Zusammenleben der Menschen zu stärken und den bürgerlichen Rechtsstaat zu sichern.

Was sagt Platon zum Tod?

‘Der Tod ist offenbar nichts anderes als die Trennung zweier Dinge vonein- ander, der Seele und des Leibes’ (Gorg.524 b). Diese Definition Platons hat auf die Geschichte der Philosophie und Theologie einen kaum groß genug zu schätzenden Einfluß ausgeübt.

Was kritisiert Nietzsche an der Moral?

2.1 „ Wenn wir einmal nicht grausam sind, dann glauben wir gleich, wir seinen gut” : Entfaltung der Idee von Herren- und Sklavenmoral – Nietzsche kritisiert die ethische Moral als solche, das heißt, Ethik und Moral sind für ihn an und für sich, unabhängig von den zeitlichen und gesellschaftlichen Umständen, schlecht.

  1. Zentral hierbei ist auch seine Idee, dass es im Lauf der Geschichte eine Umwertung der Werte gab.
  2. Es gäbe also keine immerwährenden und allgemeingültigen Werte, sondern abwechselnde.
  3. Werte, die heute wertgeschätzt würden, wurden früher mit Füßen getreten.
  4. Moral ist für ihn daher ein Irrweg der menschlichen Entwicklung.

Im Zentrum dieser Entwicklung steht für Nietzsche die Gegenüberstellung von „Herrenmoral” und „Sklavenmoral” in Verbindung mit den Begriffen „gut und schlecht”, aus denen sich seiner Ansicht nach im Laufe der Zeit die Begriffe „gut und böse” entwickelten,

  1. Der Begriff „gut” stammt laut Nietzsche nicht etwa „von denen her, welchen ‚Güte’ erwiesen wird”, sondern von den „‚Guten’ selber”,
  2. Der Ursprung des Gegensatzes zwischen „gut” und „schlecht” liegt also im „Pathos der Distanz”, der Abgrenzung der Vornehmen zu allen anderen.
  3. Des Weiteren galt früher derjenige als „gut”, der rein, also sauber, war.

Dies waren die vornehmen Menschen, wie beispielsweise Priester, da nur sie es sich leisten konnte, sich regelmäßig zu waschen. Um diesen Status zu erhalten, hielten sie sich vom Schmutz der Unreinen fern. Die Guten waren also die Vornehmen, die Herrschenden, die Starken, die Aristokraten.

So lässt sich laut Nietzsche der Begriff „gut” auf die Grundbegriffe „‚vornehm’, ‚edel'” zurückführen, Die Aristokraten beanspruchten daher die Attribute rein und edel für sich. Im Gegensatz dazu standen die Schlechten, die Beherrschten, die Schwachen. Das Wort „schlecht” führt Nietzsche hierbei auf den Begriff „schlicht” zurück,

Laut Nietzsche hat im Laufe der Zeit eine Umwertung der Werte stattgefunden, in der die Moral relativiert wurde. Nietzsche stellt sich drei Stufen der Moralentwicklung vor. Zu Beginn existierten die Werte der Vornehmen, die „Herrenmoral”. Sie fühlten sich stark, sagten zu sich selber und ihren Taten stets und „noch frohlockender Ja” und lebten ihre Stärke voll und ganz aus.

  1. Ihre Triebe mussten sie nicht unterdrücken, sondern konnten sie in Rauschzuständen – wenn erforderlich – auch an den Schwachen auslassen.
  2. Es ist legitim, dass sie an den „Schwachen” ihre Lust an Gewalt auslassen.
  3. Für Nietzsche haben die Starken auch keine Möglichkeit, diese Triebe zu unterbinden.
  4. Laut Nietzsche „bedarf für diesen verborgenen Grund von Zeit zu Zeit der Entladung, das Thier muss wieder heraus”,

Böses im konventionellen Sinn ist also nur Zeigen von Stärke. Genau diese Möglichkeit des Vermeidens unterstellen die Schwachen ihnen aber. Sie entwickelten im Laufe der Zeit ein Ressentiment, die „Sklavenmoral”, die von einem tief sitzenden und lange gewachsenen Hass herrührt.

  • Sie waren es, die stets und ständig unterdrückt, ausgebeutet und gequält wurden und es ertragen haben.
  • Sie machten es sich jedoch zur Stärke, dass auch sie die Möglichkeit zur Bösartigkeit und Aggressivität hätten, diese aber nicht verwirklichten.
  • Diese freiwillige Absage an das Ausleben ihrer Triebe legten sie sich als Tugend zu Gute und verurteilten das Handeln der „Starken” als „schlecht”.

Die „Starken” wurden so zu den „Bösen” und die ursprünglich „Schwachen” wurden zu den „Guten”. Diese Umwertung der aristokratischen Werte in jüdische Werte nennt Nietzsche den „Sklavenaufstand in der Moral”, welche er um die Zeit des Dreißigjährigen Krieges herum datiert,

  1. Nietzsche, Friedrich: Der Antichrist.
  2. In: Friedrich Nietzsche.
  3. Der Fall Wagner.
  4. Götzen-Dämmerung, Der Antichrist, Ecce homo, Dionysos-Dithyramben, Nietzsche contra Wagner.2.
  5. Auflage München, Berlin/New York: 1988: S.170 Klien, Horst (Hrsg.): Der Große Duden.16. Auflage.
  6. Leipzig: 1972: S.421 Danto, Arthur C.: Friedrich Nietzsche.

In: Klassiker des philosophischen Denkens Band 2.4. Auflage München: 1988: S.231 Vgl. Ebd.: S.230 Nietzsche, Friedrich: Zur Genealogie der Moral. In: Friedrich Nietzsche. Jenseits von Gut und Böse. Zur Genealogie der Moral.8. Auflage. München: 2005 (=Kritische Studienausgabe 5): S.253 Danto, Arthur C.: Friedrich Nietzsche.

  1. In: Klassiker des philosophischen Denkens Band 2.4.
  2. Auflage München: 1988: S.254 Nietzsche, Friedrich: Zur Genealogie der Moral.
  3. In: Friedrich Nietzsche.
  4. Jenseits von Gut und Böse.
  5. Zur Genealogie der Moral.8.
  6. Auflage München: 2005 (=KSA 5): S.251 Ebd.: S.258 Nietzsche, Friedrich: Zur Genealogie der Moral.

In: Friedrich Nietzsche. Jenseits von Gut und Böse. Zur Genealogie der Moral.8. Auflage. München: 2005 (=KSA 5): S.257 Ebd.: S.291 Ebd.: S.339 Kurt Tucholsky: zit.n.: http://www.zit.at/show_name.php3?name=674 Ebd.: S.259 Ebd.: S.259 Nietzsche, Friedrich: Zur Genealogie der Moral.

Welcher Religion gehörte Nietzsche an?

Philosophie – “Gott ist tot!” – und Nietzsche unsterblich Archiv Als die Menschen Gott zum höchsten Wert herabwürdigten, schlug Friedrich Nietzsche Alarm. Im Christentum seiner Zeit sah er eine sinnentleerte, lebensfeindliche Religion. Sein Ausspruch vom toten Gott ist längst Kult geworden und hat ein Eigenleben entwickelt. Von Klaus Englert | 19.10.2016

Für Hirn, Herz und Ohr – die Reportagen und Feature dieser Sendereihe wollen unterhalten und informieren. Vertiefen. Mal aktuell, mal hintergründig, aber immer relevant – egal ob es um Ernst Blocks Religionsphilosophie geht oder um die Angst islamischer Extremisten vor Homosexualität.

Friedrich Nietzsche: “Mit dem Christentum werde ich nicht fertig.” (picture-alliance / Zentralbild ) “Der tolle Mensch sprang mitten unter sie und durchbohrte sie mit seinen Blicken: Wohin ist Gott? Rief er, ich will es euch sagen! Wir haben ihn getötet, – ihr und ich! Wir alle sind seine Mörder!” Mit diesen Worten beginnt Friedrich Nietzsches berühmtes Textstück aus der “Fröhlichen Wissenschaft”.

  1. Protagonist ist der “tolle Mensch”, der Wahnsinnige und Seher, der vom Volk nicht verstanden wird.
  2. Denn er verkündet Unerhörtes: “Gott ist tot! Gott bleibt tot! Und wir haben ihn getötet! Wie trösten wir uns, die Mörder aller Mörder? Das Heiligste und Mächtigste, was die Welt bisher besaß, es ist unter unseren Messern verblutet.” Der Autor Friedrich Nietzsche schlüpft in die Rolle des “tollen Menschen”, um den Lesern etwas mitzuteilen, das offenbar ihren geistigen Horizont übersteigt.

Die Menschen tappten noch im Dunklen, weshalb der tolle Mensch “am hellen Vormittage eine Laterne anzündete”. Deswegen ist der Wahnsinnige ein Seher, ein Prophet, ein Aufklärer: “Ich komme zu früh, ich bin noch nicht an der Zeit. Dies ungeheure Ereignis ist noch unterwegs und wandert, – es ist noch nicht bis zu den Ohren der Menschen gedrungen.” Wie ist es möglich, dass der Mensch Gott erschlagen konnte? Und wie kann der Mensch als Sterblicher überhaupt Gott als unsterbliches Wesen umbringen? Nietzsches These scheint paradox zu sein, der Sachverhalt ist offensichtlich mit logischen Argumenten nicht zu klären.

  1. Mit dem Christentum werde ich nicht fertig” Friedrich Nietzsche, Sohn eines lutherischen Pfarrers aus dem sächsischen Röcken, stritt zeit seines Lebens mit Kirche und Christentum.
  2. Er war weder Atheist noch gläubiger Christ, und doch setzte er sich in sämtlichen seiner Schriften mit religiösen Themen auseinander – mit der Götterwelt der alten Griechen, mit Katholizismus und Protestantismus, mit Buddhismus, Hinduismus und Islam.

Nietzsche war auch kein Theologe, obwohl er in Bonn kurze Zeit protestantische Theologie studierte. Vielmehr wurde er bereits mit 25 Jahren zum außerordentlichen Professor für Altphilologie in Basel berufen. Aber Nietzsche stand in ständigem Austausch mit anderen Gelehrten, beispielsweise mit seinen Basler Kollegen, dem Religionswissenschaftler Johann Jacob Bachofen und dem Kulturhistoriker Jacob Burckhardt.

In Nietzsches nachgelassenen Notizen findet sich die beiläufige Bemerkung: “Mit dem Christentum werde ich nicht fertig.” Friedrich Nietzsches grundlegendes Thema, das er immer wieder in die unterschiedlichsten Werke seiner kurzen, 18-jährigen Schaffenszeit einfließen ließ, ist der Wandel unserer Gottesvorstellungen: Der Wandel vom sinnlich erfahrbaren Gott zu einem Wert, den wir als Gott verehren; der Übergang von einer Religion des Lebens zu einer der décadence.

Das ist der zentrale Nerv seiner Argumentation: Der Kampf gegen die nihilistische, gegen die verneinende Kultur. Bissige Kommentare gegen die Kirche Der Altphilologe Friedrich Nietzsche bewunderte die hellenische Welt, besonders das Gottesverständnis der alten Griechen.

  1. Bereits seine berühmte Frühschrift “Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik” zeichnet mit großer Anteilnahme die apollinische und dionysische Götterwelt der Griechen nach.
  2. Aus dieser Zeit, den frühen 1870-er Jahren, stammt auch die Abhandlung “Die Geburt des tragischen Gedankens”.
  3. Urz nach Antritt seiner Basler Professur schrieb der 26-Jährige: “Nicht um sich vom Leben abzuwenden, schaute das Auge des Hellenen gläubig zu ihnen empor.
See also:  Woher Wei Ich Ob Ich Ihn Noch Liebe?

Aus ihnen spricht eine Religion des Lebens, nicht der Pflicht oder der Askese oder der Geistigkeit. Alle diese Gestalten atmen den Triumph des Daseins, ein üppiges Lebensgefühl begleitet ihren Kultus.” Als junger Professor für Griechisch und Latein widmete sich Friedrich Nietzsche dem kultischen Leben der Griechen.

  1. An diese Beschäftigung mit der hellenischen Welt sollte denken, wer Nietzsches leidenschaftliche Kritik des nihilistischen Zeitalters, der décadence-Kultur liest.
  2. Geschrieben in bissigen Aphorismen und Kommentaren, gerichtet gegen Kirche, Monarchie und Parteien.
  3. Die Religion der Zeit, verstanden als eine Form kulturellen Verfalls, lässt sich bereits in einem nachgelassenen Fragment von 1873 nachlesen: “Ich bemerke eine Erschöpfung, man ist an den bedeutenden Symbolen ermüdet.

Alle Möglichkeiten des christlichen Lebens, die ernstesten und lässigsten, die harmlosesten und reflektiertesten, sind durchprobiert, es ist Zeit zur Nachahmung oder zu etwas Anderem.” Erschöpfung, décadence, Nihilismus – das sind die von Nietzsche aufgedeckten Symptome, von denen auch die Religion befallen wurde.

  1. Was das “Andere” sein könnte, wird Nietzsche erst in seinen späteren Schriften – vornehmlich im Antichrist – ausführen.
  2. Zunächst zeigt er sich als Zeitdiagnostiker, der sich fragt: Wie kam es, dass sinnliche Religion und Kult, kurz: “die Religion des Lebens” zusehends abgewertet wurden? Der Philosoph, der den Kult in “Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik” fast wollüstig beschrieb, führt den tief greifenden Wandel auf das technisch-wissenschaftliche Zeitalter, auf die rationalistische Geisteshaltung zurück.

Zudem habe sich das Bewusstsein des schlechten Gewissens, von Schuld und Sühne zunehmend in den Vordergrund gedrängt. Aus der Welt sei der Zauber entwichen, etabliert habe sich stattdessen eine hierarchische Ordnung der Werte. Eine Ordnung, in der – wie die Scholastiker einst sagten – Gott der höchste Wert ist.

  • Vor diesem höchsten Wert, bemerkte Nietzsche einmal, sei es ihm unmöglich zu tanzen.
  • In Wirklichkeit ist der “tolle Mensch” ein Weiser.
  • Wenn er ausruft: “Gott ist tot! Wir haben ihn getötet!” dann ist das zugleich die zivilisationskritische Diagnose des Basler Professors.
  • Der fügt erklärend hinzu: Die Menschen holten zum letzten Schlag gegen Gott aus, als sie Gott zum höchsten Wert herabwürdigten.

Als Resultat der Entwicklung erkennt Nietzsche: Das Christentum als sinnenleere, lebensfeindliche Religion. In seinen letzten produktiven Jahren, vor der schweren Erkrankung, wird die Kritik zusehends schärfer. Das war die Zeit zwischen der frühzeitigen Emeritierung 1879 und dem geistigen Zusammenbruch im Januar 1890 in Turin.

  1. Den 1888 geschriebenen “Antichrist.
  2. Fluch auf das Christentum” konnte der Philosoph zu Lebzeiten nicht mehr publizieren.
  3. Darin schreibt er: “Das ist es nicht, was uns abscheidet, dass wir keinen Gott wieder finden, weder in der Geschichte, noch in der Natur, noch hinter der Natur, – sondern dass wir, was als Gott verehrt wurde, nicht als ‘göttlich’, sondern als erbarmungswürdig, als absurd, als schädlich empfinden, nicht als Irrtum, sondern als Verbrechen am Leben.

Wir leugnen Gott als Gott. Wenn man uns diesen Gott der Christen bewiese, wir würden ihn noch weniger zu glauben wissen.” Heidegger und Bloch auf Nietzsches Spuren “Das Heiligste und Mächtigste, was die Welt bisher besaß”, ist also endgültig verschwunden.

  1. Den Bereich des Heiligen, den die Sterblichen mit den Göttern teilten, verklärte noch der schwäbische Dichter Friedrich Hölderlin, der kurz vor Nietzsches Geburt verstarb.
  2. Friedrich Nietzsche erkannte um 1870 nur noch die “Weltnacht”, in der Gott bereits entschwunden war.
  3. Beide – der Dichter und der Denker – hatten schließlich großen Einfluß auf einen Philosophen gehabt, der im Jahr der Niederschrift des Antichristen unweit von Nietzsches Wirkungsstätte Basel geboren wurde – Martin Heidegger.

Der schwäbische Philosoph, der Ende der dreißiger Jahre in Freiburg einen Vorlesungszyklus über Nietzsche hielt, schrieb einmal: “Vor diesem Gott kann der Mensch weder beten, noch kann er ihm opfern. Vor der causa sui kann der Mensch weder aus Scheu ins Knie fallen, noch kann er vor diesem Gott musizieren und tanzen.” Das könnte ein Zitat Nietzsches sein, denn der Autor des Antichristen beschrieb die dionysischen Rauschszenen in “Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik” mit ganz ähnlichen Worten.

Dagegen empfand er die Kirche als blasphemisch, weil sie Gott nicht achtet, sondern verachtet. Martin Heidegger verlangte eine Neubesinnung auf Gott, eine Preisgabe unserer Vor-Stellungen von Gott. Einzig ein neues Denken könne uns “vielleicht näher zum göttlichen Gott” hinführen. Auch der Tübinger Philosoph Ernst Bloch, ein Zeitgenosse Heideggers, wandelte in der religionskritischen Spur Friedrich Nietzsches.

Schon früh widmete er sich den häretischen und aufmüpfigen Gestalten innerhalb der Kirche – zum Beispiel dem Priester und Revolutionär Thomas Müntzer. Der Marxist Bloch deutete das Neue Testament politisch, indem er seinen humanistischen Kern freilegte.

Das zeigt sich in seinem Hauptwerk “Das Prinzip Hoffnung”: “Die Wahrheit des Gottesideals ist einzig die Utopie des Reichs, zu dieser ist gerade die Voraussetzung, dass kein Gott in der Höhe bleibt, indem ohnehin keiner dort ist oder jemals war.” Kein Gestern und kein Übermorgen Ernst Bloch zitiert als Beleg für seine humanistische Deutung des Neuen Testaments Jesu Worte aus dem Lukas-Evangelium: “Das Reich Gottes ist mitten unter euch (Lukas 17,12).” Bloch sprach vom “Atheismus im Christentum” und Nietzsche vom “Antichristen”, doch beide Buchtitel zielten keineswegs auf eine bloße Abkehr vom Christentum.

Die beiden Philosophen suchten das “Menschliche, Allzu menschliche” in der Religion. Nietzsche hat im Grunde niemals den mythischen Urgrund der Religion verlassen, nämlich das Heilige als das Menschen und Götter Einigende. Seiner scharfen Zivilisationsdiagnose stellte er das von Jesus gelebte Christentum entgegen: “Das Evangelium war doch gerade das Dasein, das Erfülltsein, die Wirklichkeit dieses ‚Reichs’ gewesen.”-” ‘Das Reich Gottes’ ist nichts, das man erwartet: Es hat kein Gestern und kein Übermorgen, es kommt nicht in ‘tausend Jahren’ – es ist eine Erfahrung an einem Herzen: Es ist überall da.” Friedrich Nietzsche erteilt also den Vertröstungen auf ein besseres Leben im Jenseits eine klare Absage.

Ebenso dem Glauben an ein übersinnliches Reich: In vorbereitenden Notizen zum Antichrist schreibt er: “Das vorbildliche Leben besteht in der Liebe und Demut; in der Herzens-Fülle, welche auch den Niedrigsten nicht ausschließt, im Glauben an die Seligkeit hier, auf Erden, trotz Not, Widerstand und Tod, in der Versöhnlichkeit, in der Abwesenheit des Zorns, der Verachtung.” Messianischer Erlösungsanspruch In “Das Prinzip Hoffnung” erläutert Ernst Bloch die zweifache Ausrichtung des christlichen Atheismus: Jesus als Menschensohn und als messianischer Heilsbringer auf Erden.

In seinen griechischen Namen “Messias” und “Christos” – der von Menschenhand Gesalbte – erkannte Ernst Bloch das eigentliche Selbstverständnis Jesu’. Der Name weist ja voraus auf die berühmte Szene in Bethanien, als Maria Jesus – kurz vor dem Kreuzestod – mit dem kostbaren Nardenöl einrieb.

Aus dieser Perspektive versteht Bloch das Christentum als Hoffnungsappell für den nach Erlösung dürstenden Menschen: “Die christliche Hoffnung war, dass alles erlöster Mensch sei. Und keine anthropologische Kritik der Religion raubt die Hoffnung, auf die das Christentum aufgetragen ist. Sie bringt die Religionsinhalte auf den menschlichen Wunsch zurück.” Blochs humanistische Auslegung des Neuen Testaments geht unmittelbar auf Nietzsche zurück, der bis in die Weimarer Republik hinein einen kaum zu unterschätzenden Einfluß auf Intellektuelle und Künstler, auf Linke und Rechte hatte.

Und der – nach dem Zweiten Weltkrieg – in der Theologie zu undogmatischen Interpretationen biblischer Quellen anregte. Nietzsches Umdeutung des “Erlösers” wird besonders in der 1887 geschriebenen Streitschrift “Zur Genealogie der Moral” deutlich. Der messianische Erlösungsanspruch geht hier unmittelbar vom Gottessohn auf den Menschensohn über.

Auf den Menschensohn, der bei Nietzsche einen anderen Namen erhält: “Aber irgendwann, in einer stärkeren Zeit, als diese morsche, selbstzweiflerische Gegenwart ist, muss er uns doch kommen, der erlösende Mensch der großen Liebe, dessen Einsamkeit vom Volke missverstanden wird, wie als ob sie eine Flucht vor der Wirklichkeit sei, während sie nur seine Versenkung in die Wirklichkeit ist, damit er einst aus ihr, wenn er wieder ans Licht kommt, die Erlösung dieser Wirklichkeit heimbringe.

Dieser Mensch der Zukunft, der uns erlösen wird vom großen Ekel, vom Willen zum Nichts, vom Nihilismus, dieser Glockenschlag des Mittags und der großen Entscheidung, der Erde ihr Ziel und dem Menschen die Hoffnung zurückgibt, dieser Antichrist und Antinihilist, dieser Besieger Gottes und des Nichts – er muss einst kommen.” “Dieser heilige Anarchist” 1921 porträtierte Ernst Bloch den Kirchen- und Sozialrevolutionär Thomas Müntzer: Der Theologe und Antipode Luthers rebellierte nicht nur gegen das Papsttum, sondern auch gegen die ständisch geprägte Gesellschaft während der Bauernkriege.

Müntzer kämpfte gegen die Hierarchien in Kloster und Kirche, ebenso gegen die Leibeigenschaft der Bauern in der Feudalgesellschaft. Der mittelalterliche Priester, der 1525 verhaftet, gefoltert und öffentlich hingerichtet wurde, könnte sich das Leben Jesu’ zum Vorbild genommen haben. Das legt Nietzsches Kommentar nahe: “Dieser heilige Anarchist, der das niedere Volk, die Ausgestoßenen und ‘Sünder’ zum Widerspruch gegen den ‘herrschenden Stand’, gegen die Kaste, das Privilegium, die Ordnung, die Formel aufrief, war ein politischer Verbrecher.” Friedrich Nietzsche hält am Glauben fest, trotz aller rationaler Gegenargumente, die er immer wieder selbst vorbrachte.

Damit zeigte er sich einig mit dem Dänen Sören Kierkegaard, der sich mit der “Schwierigkeit zu glauben” abmühte. An dem Glauben wollte auch der protestantische Philosoph aus Kopenhagen festhalten, obwohl er ihm angesichts des wissenschaftsgläubigen Zeitalters als absurd vorkam.

  1. Für Nietzsche war die “Schwierigkeit zu glauben” – übereinstimmend mit dem dänischen Kollegen – etwas sehr existentielles.
  2. Denn es kam beiden darauf an, einen sehr persönlichen Weg zum Glauben zu finden, der sich nicht um katechistische Lehrsätze schert: “Die ‘gute Botschaft’ ist eben, dass es keine Gegensätze mehr gibt; das Himmelreich gehört den Kindern; der Glaube, der hier laut wird, ist kein erkämpfter Glaube, – er ist da, er ist von Anfang an, er ist gleichsam eine ins geistige zurückgetretene Kindlichkeit.

Ein solcher Glaube zürnt nicht, tadelt nicht, wehrt sich nicht; er bringt nicht ‘das Schwert’, – er ahnt gar nicht, inwiefern er einmal trennen könnte. Er beweist sich nicht, er selbst ist jeden Augenblick sein Wunder, sein Lohn, sein Beweis, sein ‘Reich Gottes’.

  1. Dieser Glaube formuliert sich auch nicht – er lebt, er wehrt sich gegen Formeln.” Die Befreiung von der knöchernen Formelwelt christlicher Dogmatik gehörte schon zum Gemeinplatz der Frühromantiker um Novalis und Friedrich Schlegel.
  2. Deswegen ihre beständige Suche nach einer neuen, sinnlichen Religion – wie sie im “Systemprogramm” des deutschen Idealismus gefordert wurde.

Der radikale Aufklärer Friedrich Nietzsche ist im 19. Jahrhundert der wirkungsmächtigste Denker eines neuen Christentums, einer säkularen Religion. Sie geht auf Jean-Jacques Rousseaus ‘Religion civile’ zurück, die er bereits 1758 in seinem Gesellschaftsvertrag formulierte.

Rousseau verstand sie als Fundament und Bindemittel, durch die sich jeder als Mitglied einer sozialen Gemeinschaft erfährt. Die säkulare Religion nahm im 20. Jahrhundert verschiedene Formen an: Spiritistische Menschheitsbeglückung, atheistische Gegenreligion, kommunistisches Heilsversprechen einer klassenlosen Gesellschaft.

Durchgespielt wurden friedliche und gewaltsame, messianische und apokalyptische Szenarien. Nietzscheanische Religion bedeutete zu Beginn des 20. Jahrhunderts: Kampf gegen die etablierte kirchliche Ordnung, Suche nach den Wurzeln des Christentums, nach dem Leben der ersten christlichen Gruppen.

  • Urz und gut: Die erstarrte Religion soll neu belebt werden.
  • Es trifft sicher zu, dass viele – wie Peter Sloterdijk im Buch “Gottes Eifer” nahe legte – die sinnliche Religion im Eifertum des Islam suchen.
  • Aber der führt im Gegenzug allzu viele kodifizierte Verhaltensweisen ein – von der Verschleierung bis zum Ramadan.

Weshalb dieser jüngste Monotheismus sofort wieder in eine Zwangsjacke gesteckt wurde. Es hat den Anschein, als ob gewisse islamische Werte auf westliche Bürger eine große Anziehungskraft besitzen – das Gemeinschaftsgefühl unter den Muslimen, die identifikationsstiftende Kleidung, die Ausrichtung sämtlicher Lebensbereiche nach den Regeln des Korans.

  1. Zweifellos haben die Muslime niemals die Geisel des Nihilismus und des religiösen Zweifels gespürt.
  2. Darin liegt vielleicht die größte Faszination für die Sinnsuchenden aus dem Abendland.
  3. Der große Zweifler Friedrich Nietzsche war kein profunder Kenner des Islam.
  4. Aber eines ist klar: Der Basler Philosoph wollte niemals zurück zu einem naiven Einverständnis mit Gott.

Seine Position ist die einer aufgeklärten Religion. Deswegen kann es für ihn auch keinen allmächtigen, allwissenden Allah geben. Keinen Gott, der all das verkörpert, woran es dem schwachen Menschen gebricht. Die Überwindung derart kindlicher Projektionen hat ja der “tolle Mensch” vorausgesagt.

Denn der verkündete, dass wir einem “ungeheuren Ereignis” beiwohnen – dem Tod Gottes. Seither stehen wir – wie Nietzsche schreibt – “an der Schwelle” zu einer neuen Religion, einer neuen Lebensweise. Die “Fröhliche Wissenschaft” bereitet die Leser auf das neue Ereignis vor: “Das größte neuere Ereignis, dass Gott tot ist, beginnt bereits seine ersten Schatten über Europa zu werfen.

Wir Philosophen und ‘freien Geister’ fühlen uns bei der Nachricht, dass der ‘alte Gott tot’ ist, wie von einer neuen Morgenröte angestrahlt, unser Herz strömt dabei über von Dankbarkeit, Erstaunen, Ahnung, Erwartung, – endlich erscheint uns der Horizont wieder frei, endlich dürfen unsere Schiffe wieder auslaufen, auf jede Gefahr hin auslaufen, jedes Wagnis des Erkennenden ist wieder erlaubt, das Meer, unser Meer liegt wieder offen da, vielleicht gab es niemals ein so ‘offenes Meer’.” : Philosophie – “Gott ist tot!” – und Nietzsche unsterblich

War Nietzsche gegen Gott?

Philosophie – “Gott ist tot!” – und Nietzsche unsterblich Archiv Als die Menschen Gott zum höchsten Wert herabwürdigten, schlug Friedrich Nietzsche Alarm. Im Christentum seiner Zeit sah er eine sinnentleerte, lebensfeindliche Religion. Sein Ausspruch vom toten Gott ist längst Kult geworden und hat ein Eigenleben entwickelt. Von Klaus Englert | 03.02.2021

Für Hirn, Herz und Ohr – die Reportagen und Feature dieser Sendereihe wollen unterhalten und informieren. Vertiefen. Mal aktuell, mal hintergründig, aber immer relevant – egal ob es um Ernst Blocks Religionsphilosophie geht oder um die Angst islamischer Extremisten vor Homosexualität.

Friedrich Nietzsche: “Mit dem Christentum werde ich nicht fertig.” (picture-alliance / Zentralbild ) “Der tolle Mensch sprang mitten unter sie und durchbohrte sie mit seinen Blicken: Wohin ist Gott? Rief er, ich will es euch sagen! Wir haben ihn getötet, – ihr und ich! Wir alle sind seine Mörder!” Mit diesen Worten beginnt Friedrich Nietzsches berühmtes Textstück aus der “Fröhlichen Wissenschaft”.

  1. Protagonist ist der “tolle Mensch”, der Wahnsinnige und Seher, der vom Volk nicht verstanden wird.
  2. Denn er verkündet Unerhörtes: “Gott ist tot! Gott bleibt tot! Und wir haben ihn getötet! Wie trösten wir uns, die Mörder aller Mörder? Das Heiligste und Mächtigste, was die Welt bisher besaß, es ist unter unseren Messern verblutet.” Der Autor Friedrich Nietzsche schlüpft in die Rolle des “tollen Menschen”, um den Lesern etwas mitzuteilen, das offenbar ihren geistigen Horizont übersteigt.

Die Menschen tappten noch im Dunklen, weshalb der tolle Mensch “am hellen Vormittage eine Laterne anzündete”. Deswegen ist der Wahnsinnige ein Seher, ein Prophet, ein Aufklärer: “Ich komme zu früh, ich bin noch nicht an der Zeit. Dies ungeheure Ereignis ist noch unterwegs und wandert, – es ist noch nicht bis zu den Ohren der Menschen gedrungen.” Wie ist es möglich, dass der Mensch Gott erschlagen konnte? Und wie kann der Mensch als Sterblicher überhaupt Gott als unsterbliches Wesen umbringen? Nietzsches These scheint paradox zu sein, der Sachverhalt ist offensichtlich mit logischen Argumenten nicht zu klären.

  1. Mit dem Christentum werde ich nicht fertig” Friedrich Nietzsche, Sohn eines lutherischen Pfarrers aus dem sächsischen Röcken, stritt zeit seines Lebens mit Kirche und Christentum.
  2. Er war weder Atheist noch gläubiger Christ, und doch setzte er sich in sämtlichen seiner Schriften mit religiösen Themen auseinander – mit der Götterwelt der alten Griechen, mit Katholizismus und Protestantismus, mit Buddhismus, Hinduismus und Islam.

Nietzsche war auch kein Theologe, obwohl er in Bonn kurze Zeit protestantische Theologie studierte. Vielmehr wurde er bereits mit 25 Jahren zum außerordentlichen Professor für Altphilologie in Basel berufen. Aber Nietzsche stand in ständigem Austausch mit anderen Gelehrten, beispielsweise mit seinen Basler Kollegen, dem Religionswissenschaftler Johann Jacob Bachofen und dem Kulturhistoriker Jacob Burckhardt.

In Nietzsches nachgelassenen Notizen findet sich die beiläufige Bemerkung: “Mit dem Christentum werde ich nicht fertig.” Friedrich Nietzsches grundlegendes Thema, das er immer wieder in die unterschiedlichsten Werke seiner kurzen, 18-jährigen Schaffenszeit einfließen ließ, ist der Wandel unserer Gottesvorstellungen: Der Wandel vom sinnlich erfahrbaren Gott zu einem Wert, den wir als Gott verehren; der Übergang von einer Religion des Lebens zu einer der décadence.

Das ist der zentrale Nerv seiner Argumentation: Der Kampf gegen die nihilistische, gegen die verneinende Kultur. Bissige Kommentare gegen die Kirche Der Altphilologe Friedrich Nietzsche bewunderte die hellenische Welt, besonders das Gottesverständnis der alten Griechen.

Bereits seine berühmte Frühschrift “Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik” zeichnet mit großer Anteilnahme die apollinische und dionysische Götterwelt der Griechen nach. Aus dieser Zeit, den frühen 1870-er Jahren, stammt auch die Abhandlung “Die Geburt des tragischen Gedankens”. Kurz nach Antritt seiner Basler Professur schrieb der 26-Jährige: “Nicht um sich vom Leben abzuwenden, schaute das Auge des Hellenen gläubig zu ihnen empor.

Aus ihnen spricht eine Religion des Lebens, nicht der Pflicht oder der Askese oder der Geistigkeit. Alle diese Gestalten atmen den Triumph des Daseins, ein üppiges Lebensgefühl begleitet ihren Kultus.” Als junger Professor für Griechisch und Latein widmete sich Friedrich Nietzsche dem kultischen Leben der Griechen.

An diese Beschäftigung mit der hellenischen Welt sollte denken, wer Nietzsches leidenschaftliche Kritik des nihilistischen Zeitalters, der décadence-Kultur liest. Geschrieben in bissigen Aphorismen und Kommentaren, gerichtet gegen Kirche, Monarchie und Parteien. Die Religion der Zeit, verstanden als eine Form kulturellen Verfalls, lässt sich bereits in einem nachgelassenen Fragment von 1873 nachlesen: “Ich bemerke eine Erschöpfung, man ist an den bedeutenden Symbolen ermüdet.

Alle Möglichkeiten des christlichen Lebens, die ernstesten und lässigsten, die harmlosesten und reflektiertesten, sind durchprobiert, es ist Zeit zur Nachahmung oder zu etwas Anderem.” Erschöpfung, décadence, Nihilismus – das sind die von Nietzsche aufgedeckten Symptome, von denen auch die Religion befallen wurde.

Was das “Andere” sein könnte, wird Nietzsche erst in seinen späteren Schriften – vornehmlich im Antichrist – ausführen. Zunächst zeigt er sich als Zeitdiagnostiker, der sich fragt: Wie kam es, dass sinnliche Religion und Kult, kurz: “die Religion des Lebens” zusehends abgewertet wurden? Der Philosoph, der den Kult in “Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik” fast wollüstig beschrieb, führt den tief greifenden Wandel auf das technisch-wissenschaftliche Zeitalter, auf die rationalistische Geisteshaltung zurück.

Zudem habe sich das Bewusstsein des schlechten Gewissens, von Schuld und Sühne zunehmend in den Vordergrund gedrängt. Aus der Welt sei der Zauber entwichen, etabliert habe sich stattdessen eine hierarchische Ordnung der Werte. Eine Ordnung, in der – wie die Scholastiker einst sagten – Gott der höchste Wert ist.

Vor diesem höchsten Wert, bemerkte Nietzsche einmal, sei es ihm unmöglich zu tanzen. In Wirklichkeit ist der “tolle Mensch” ein Weiser. Wenn er ausruft: “Gott ist tot! Wir haben ihn getötet!” dann ist das zugleich die zivilisationskritische Diagnose des Basler Professors. Der fügt erklärend hinzu: Die Menschen holten zum letzten Schlag gegen Gott aus, als sie Gott zum höchsten Wert herabwürdigten.

Als Resultat der Entwicklung erkennt Nietzsche: Das Christentum als sinnenleere, lebensfeindliche Religion. In seinen letzten produktiven Jahren, vor der schweren Erkrankung, wird die Kritik zusehends schärfer. Das war die Zeit zwischen der frühzeitigen Emeritierung 1879 und dem geistigen Zusammenbruch im Januar 1890 in Turin.

Den 1888 geschriebenen “Antichrist. Fluch auf das Christentum” konnte der Philosoph zu Lebzeiten nicht mehr publizieren. Darin schreibt er: “Das ist es nicht, was uns abscheidet, dass wir keinen Gott wieder finden, weder in der Geschichte, noch in der Natur, noch hinter der Natur, – sondern dass wir, was als Gott verehrt wurde, nicht als ‘göttlich’, sondern als erbarmungswürdig, als absurd, als schädlich empfinden, nicht als Irrtum, sondern als Verbrechen am Leben.

Wir leugnen Gott als Gott. Wenn man uns diesen Gott der Christen bewiese, wir würden ihn noch weniger zu glauben wissen.” Heidegger und Bloch auf Nietzsches Spuren “Das Heiligste und Mächtigste, was die Welt bisher besaß”, ist also endgültig verschwunden.

Den Bereich des Heiligen, den die Sterblichen mit den Göttern teilten, verklärte noch der schwäbische Dichter Friedrich Hölderlin, der kurz vor Nietzsches Geburt verstarb. Friedrich Nietzsche erkannte um 1870 nur noch die “Weltnacht”, in der Gott bereits entschwunden war. Beide – der Dichter und der Denker – hatten schließlich großen Einfluß auf einen Philosophen gehabt, der im Jahr der Niederschrift des Antichristen unweit von Nietzsches Wirkungsstätte Basel geboren wurde – Martin Heidegger.

Der schwäbische Philosoph, der Ende der dreißiger Jahre in Freiburg einen Vorlesungszyklus über Nietzsche hielt, schrieb einmal: “Vor diesem Gott kann der Mensch weder beten, noch kann er ihm opfern. Vor der causa sui kann der Mensch weder aus Scheu ins Knie fallen, noch kann er vor diesem Gott musizieren und tanzen.” Das könnte ein Zitat Nietzsches sein, denn der Autor des Antichristen beschrieb die dionysischen Rauschszenen in “Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik” mit ganz ähnlichen Worten.

  • Dagegen empfand er die Kirche als blasphemisch, weil sie Gott nicht achtet, sondern verachtet.
  • Martin Heidegger verlangte eine Neubesinnung auf Gott, eine Preisgabe unserer Vor-Stellungen von Gott.
  • Einzig ein neues Denken könne uns “vielleicht näher zum göttlichen Gott” hinführen.
  • Auch der Tübinger Philosoph Ernst Bloch, ein Zeitgenosse Heideggers, wandelte in der religionskritischen Spur Friedrich Nietzsches.

Schon früh widmete er sich den häretischen und aufmüpfigen Gestalten innerhalb der Kirche – zum Beispiel dem Priester und Revolutionär Thomas Müntzer. Der Marxist Bloch deutete das Neue Testament politisch, indem er seinen humanistischen Kern freilegte.

Das zeigt sich in seinem Hauptwerk “Das Prinzip Hoffnung”: “Die Wahrheit des Gottesideals ist einzig die Utopie des Reichs, zu dieser ist gerade die Voraussetzung, dass kein Gott in der Höhe bleibt, indem ohnehin keiner dort ist oder jemals war.” Kein Gestern und kein Übermorgen Ernst Bloch zitiert als Beleg für seine humanistische Deutung des Neuen Testaments Jesu Worte aus dem Lukas-Evangelium: “Das Reich Gottes ist mitten unter euch (Lukas 17,12).” Bloch sprach vom “Atheismus im Christentum” und Nietzsche vom “Antichristen”, doch beide Buchtitel zielten keineswegs auf eine bloße Abkehr vom Christentum.

Die beiden Philosophen suchten das “Menschliche, Allzu menschliche” in der Religion. Nietzsche hat im Grunde niemals den mythischen Urgrund der Religion verlassen, nämlich das Heilige als das Menschen und Götter Einigende. Seiner scharfen Zivilisationsdiagnose stellte er das von Jesus gelebte Christentum entgegen: “Das Evangelium war doch gerade das Dasein, das Erfülltsein, die Wirklichkeit dieses ‚Reichs’ gewesen.”-” ‘Das Reich Gottes’ ist nichts, das man erwartet: Es hat kein Gestern und kein Übermorgen, es kommt nicht in ‘tausend Jahren’ – es ist eine Erfahrung an einem Herzen: Es ist überall da.” Friedrich Nietzsche erteilt also den Vertröstungen auf ein besseres Leben im Jenseits eine klare Absage.

Ebenso dem Glauben an ein übersinnliches Reich: In vorbereitenden Notizen zum Antichrist schreibt er: “Das vorbildliche Leben besteht in der Liebe und Demut; in der Herzens-Fülle, welche auch den Niedrigsten nicht ausschließt, im Glauben an die Seligkeit hier, auf Erden, trotz Not, Widerstand und Tod, in der Versöhnlichkeit, in der Abwesenheit des Zorns, der Verachtung.” Messianischer Erlösungsanspruch In “Das Prinzip Hoffnung” erläutert Ernst Bloch die zweifache Ausrichtung des christlichen Atheismus: Jesus als Menschensohn und als messianischer Heilsbringer auf Erden.

In seinen griechischen Namen “Messias” und “Christos” – der von Menschenhand Gesalbte – erkannte Ernst Bloch das eigentliche Selbstverständnis Jesu’. Der Name weist ja voraus auf die berühmte Szene in Bethanien, als Maria Jesus – kurz vor dem Kreuzestod – mit dem kostbaren Nardenöl einrieb.

Aus dieser Perspektive versteht Bloch das Christentum als Hoffnungsappell für den nach Erlösung dürstenden Menschen: “Die christliche Hoffnung war, dass alles erlöster Mensch sei. Und keine anthropologische Kritik der Religion raubt die Hoffnung, auf die das Christentum aufgetragen ist. Sie bringt die Religionsinhalte auf den menschlichen Wunsch zurück.” Blochs humanistische Auslegung des Neuen Testaments geht unmittelbar auf Nietzsche zurück, der bis in die Weimarer Republik hinein einen kaum zu unterschätzenden Einfluß auf Intellektuelle und Künstler, auf Linke und Rechte hatte.

Und der – nach dem Zweiten Weltkrieg – in der Theologie zu undogmatischen Interpretationen biblischer Quellen anregte. Nietzsches Umdeutung des “Erlösers” wird besonders in der 1887 geschriebenen Streitschrift “Zur Genealogie der Moral” deutlich. Der messianische Erlösungsanspruch geht hier unmittelbar vom Gottessohn auf den Menschensohn über.

Auf den Menschensohn, der bei Nietzsche einen anderen Namen erhält: “Aber irgendwann, in einer stärkeren Zeit, als diese morsche, selbstzweiflerische Gegenwart ist, muss er uns doch kommen, der erlösende Mensch der großen Liebe, dessen Einsamkeit vom Volke missverstanden wird, wie als ob sie eine Flucht vor der Wirklichkeit sei, während sie nur seine Versenkung in die Wirklichkeit ist, damit er einst aus ihr, wenn er wieder ans Licht kommt, die Erlösung dieser Wirklichkeit heimbringe.

Dieser Mensch der Zukunft, der uns erlösen wird vom großen Ekel, vom Willen zum Nichts, vom Nihilismus, dieser Glockenschlag des Mittags und der großen Entscheidung, der Erde ihr Ziel und dem Menschen die Hoffnung zurückgibt, dieser Antichrist und Antinihilist, dieser Besieger Gottes und des Nichts – er muss einst kommen.” “Dieser heilige Anarchist” 1921 porträtierte Ernst Bloch den Kirchen- und Sozialrevolutionär Thomas Müntzer: Der Theologe und Antipode Luthers rebellierte nicht nur gegen das Papsttum, sondern auch gegen die ständisch geprägte Gesellschaft während der Bauernkriege.

Müntzer kämpfte gegen die Hierarchien in Kloster und Kirche, ebenso gegen die Leibeigenschaft der Bauern in der Feudalgesellschaft. Der mittelalterliche Priester, der 1525 verhaftet, gefoltert und öffentlich hingerichtet wurde, könnte sich das Leben Jesu’ zum Vorbild genommen haben. Das legt Nietzsches Kommentar nahe: “Dieser heilige Anarchist, der das niedere Volk, die Ausgestoßenen und ‘Sünder’ zum Widerspruch gegen den ‘herrschenden Stand’, gegen die Kaste, das Privilegium, die Ordnung, die Formel aufrief, war ein politischer Verbrecher.” Friedrich Nietzsche hält am Glauben fest, trotz aller rationaler Gegenargumente, die er immer wieder selbst vorbrachte.

Damit zeigte er sich einig mit dem Dänen Sören Kierkegaard, der sich mit der “Schwierigkeit zu glauben” abmühte. An dem Glauben wollte auch der protestantische Philosoph aus Kopenhagen festhalten, obwohl er ihm angesichts des wissenschaftsgläubigen Zeitalters als absurd vorkam.

  • Für Nietzsche war die “Schwierigkeit zu glauben” – übereinstimmend mit dem dänischen Kollegen – etwas sehr existentielles.
  • Denn es kam beiden darauf an, einen sehr persönlichen Weg zum Glauben zu finden, der sich nicht um katechistische Lehrsätze schert: “Die ‘gute Botschaft’ ist eben, dass es keine Gegensätze mehr gibt; das Himmelreich gehört den Kindern; der Glaube, der hier laut wird, ist kein erkämpfter Glaube, – er ist da, er ist von Anfang an, er ist gleichsam eine ins geistige zurückgetretene Kindlichkeit.
See also:  Warum SpRe Ich Keine Liebe?

Ein solcher Glaube zürnt nicht, tadelt nicht, wehrt sich nicht; er bringt nicht ‘das Schwert’, – er ahnt gar nicht, inwiefern er einmal trennen könnte. Er beweist sich nicht, er selbst ist jeden Augenblick sein Wunder, sein Lohn, sein Beweis, sein ‘Reich Gottes’.

Dieser Glaube formuliert sich auch nicht – er lebt, er wehrt sich gegen Formeln.” Die Befreiung von der knöchernen Formelwelt christlicher Dogmatik gehörte schon zum Gemeinplatz der Frühromantiker um Novalis und Friedrich Schlegel. Deswegen ihre beständige Suche nach einer neuen, sinnlichen Religion – wie sie im “Systemprogramm” des deutschen Idealismus gefordert wurde.

Der radikale Aufklärer Friedrich Nietzsche ist im 19. Jahrhundert der wirkungsmächtigste Denker eines neuen Christentums, einer säkularen Religion. Sie geht auf Jean-Jacques Rousseaus ‘Religion civile’ zurück, die er bereits 1758 in seinem Gesellschaftsvertrag formulierte.

  1. Rousseau verstand sie als Fundament und Bindemittel, durch die sich jeder als Mitglied einer sozialen Gemeinschaft erfährt.
  2. Die säkulare Religion nahm im 20.
  3. Jahrhundert verschiedene Formen an: Spiritistische Menschheitsbeglückung, atheistische Gegenreligion, kommunistisches Heilsversprechen einer klassenlosen Gesellschaft.

Durchgespielt wurden friedliche und gewaltsame, messianische und apokalyptische Szenarien. Nietzscheanische Religion bedeutete zu Beginn des 20. Jahrhunderts: Kampf gegen die etablierte kirchliche Ordnung, Suche nach den Wurzeln des Christentums, nach dem Leben der ersten christlichen Gruppen.

Urz und gut: Die erstarrte Religion soll neu belebt werden. Es trifft sicher zu, dass viele – wie Peter Sloterdijk im Buch “Gottes Eifer” nahe legte – die sinnliche Religion im Eifertum des Islam suchen. Aber der führt im Gegenzug allzu viele kodifizierte Verhaltensweisen ein – von der Verschleierung bis zum Ramadan.

Weshalb dieser jüngste Monotheismus sofort wieder in eine Zwangsjacke gesteckt wurde. Es hat den Anschein, als ob gewisse islamische Werte auf westliche Bürger eine große Anziehungskraft besitzen – das Gemeinschaftsgefühl unter den Muslimen, die identifikationsstiftende Kleidung, die Ausrichtung sämtlicher Lebensbereiche nach den Regeln des Korans.

Zweifellos haben die Muslime niemals die Geisel des Nihilismus und des religiösen Zweifels gespürt. Darin liegt vielleicht die größte Faszination für die Sinnsuchenden aus dem Abendland. Der große Zweifler Friedrich Nietzsche war kein profunder Kenner des Islam. Aber eines ist klar: Der Basler Philosoph wollte niemals zurück zu einem naiven Einverständnis mit Gott.

Seine Position ist die einer aufgeklärten Religion. Deswegen kann es für ihn auch keinen allmächtigen, allwissenden Allah geben. Keinen Gott, der all das verkörpert, woran es dem schwachen Menschen gebricht. Die Überwindung derart kindlicher Projektionen hat ja der “tolle Mensch” vorausgesagt.

  1. Denn der verkündete, dass wir einem “ungeheuren Ereignis” beiwohnen – dem Tod Gottes.
  2. Seither stehen wir – wie Nietzsche schreibt – “an der Schwelle” zu einer neuen Religion, einer neuen Lebensweise.
  3. Die “Fröhliche Wissenschaft” bereitet die Leser auf das neue Ereignis vor: “Das größte neuere Ereignis, dass Gott tot ist, beginnt bereits seine ersten Schatten über Europa zu werfen.

Wir Philosophen und ‘freien Geister’ fühlen uns bei der Nachricht, dass der ‘alte Gott tot’ ist, wie von einer neuen Morgenröte angestrahlt, unser Herz strömt dabei über von Dankbarkeit, Erstaunen, Ahnung, Erwartung, – endlich erscheint uns der Horizont wieder frei, endlich dürfen unsere Schiffe wieder auslaufen, auf jede Gefahr hin auslaufen, jedes Wagnis des Erkennenden ist wieder erlaubt, das Meer, unser Meer liegt wieder offen da, vielleicht gab es niemals ein so ‘offenes Meer’.” Erstsendung am 19.

Was ist der Sinn des Lebens Zitat?

Sprüche zum Thema: Leben genießen – Häufig heißt es, dass das Leben zum Genießen da ist. Diese Sprüche helfen dabei, das noch mehr zu verinnerlichen:

Wenn du den Eindruck hast, dass das Leben Theater ist, dann such dir eine Rolle aus, die dir so richtig Spaß macht. (William Shakespeare) Es gibt Wichtigeres im Leben, als beständig dessen Geschwindigkeit zu erhöhen. (Mahatma Gandhi) Achte auf das Kleine in der Welt, das macht das Leben reicher und zufriedener. (Carl Hilty) Es kommt nicht darauf an, dem Leben mehr Jahre zu geben, sondern den Jahren mehr Leben zu geben. (unbekannt) Das Leben ist zu kurz, um sich ständig zu fragen, was andere über einen denken. (unbekannt)

Wie heißt ein berühmtes Zitat von Immanuel Kant?

Immanuel Kant: Berühmte Zitate – “Die Fähigkeit, mit ihrer Vernunft zwischen Recht und Unrecht zu unterscheiden, ist allen Menschen angeboren.” “Zwei Dinge erfüllen das Gemüt mit Ehrfurcht: der bestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetz in mir.” “Was kann ich wissen? Was kann ich tun?” “Wage es, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.”

Was leugnet der Nihilist?

Nihilismus

Lesedauer ca.1 Minute

bezeichnet eine individuelle Geisteshaltung oder Welterfahrung und kulturhistorische Strömung, in der moralische Normen und Werte sowie vorgegebene Sinngehalte des Daseins und Erkenntnismöglichkeiten der Welt radikal negiert werden. Im ethischen N. wendet sich der Nihilist von tradierten Handlungsmaximen ab, weil Freiheit sein höchstes Lebensprinzip darstellt.

  • Der ontologische Nihilist leugnet das Sein und setzt diesem das Nichts als letztgültige Wahrheit entgegen.
  • Erstmalig wichtig wird der Begriff des N.
  • Im, als Jacobi Kant und Fichte vorwirft, ihre Philosophie zerstöre das, was bisher als Wirklichkeit gesehen wurde, durch Verstandestätigkeit und sei daher nihilistisch.

Nietzsche sieht im N. eine dekadente Entwicklung der abendländischen Kultur seit Sokrates, die mit der Verabsolutierung christlich-metaphysischer Werte und der Fiktion eines möglichen Seelenheils nach dem Tod sich selbst betrügende, zerstörerische, schizoide Menschen entstehen lässt.

Dies äußert sich in Opportunismus, Mittelmäßigkeit und Schwäche (»Sklavenmoral«) oder skrupelloser Ausbeutung anderer. Der N. soll, da er ein historisch wie psychologisch notwendiges Durchgangsstadium bildet, durch die Umwertung aller Werte überwunden werden. Dies geschieht durch die Triebkraft des Willens zur Macht, der beständig die Ewige Wiederkehr des Gleichen vorantreibt.

Die Metapher der Ewigen Wiederkehr stellt in ihrer Sinnlosigkeit die extremste Form des N. dar, und doch liegt im Durchlaufen des endlosen Kreislaufs die Möglichkeit und Notwendigkeit, den »« hervorzubringen, der den N. überwindet. Nach Heideggers Ansicht ist Nietzsches Philosophie erst der Höhepunkt des N., da er mit dem Willen zur Macht eine metaphysische Grundstruktur voraussetze, die das Seiende regiere, aber das Sein leugne.

D. Arendt (Hg.): Nihilismus. Die Anfänge von Jacobi bis Nietzsche. Köln 1970W. Weier: Nihilismus. Paderborn 1980.

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  1. Ach, Münster JC Jürgen Court, Köln JH Jörg Hardy, Münster JHI Jens Hinkmann, Bad Tölz JK Jörg Klawitter, Würzburg JM Jörg F.
  2. Maas, Hannover JOP Jeff Owen Prudhomme, Macon/Georgia JP Jörg Pannier, Münster JPB Jens Peter Brune JQ Josef Quitterer, Innsbruck JR Josef Rauscher, Mainz JRO Johannes Rohbeck, Dresden JS Joachim Söder, Bonn JSC Jörg Schmidt, München JV Jürgen Villers, Aachen KDZ Klaus-Dieter Zacher, Berlin KE Klaus Eck, Würzburg KG Kerstin Gevatter, Bochum KH Kai-Uwe Hellmann, Berlin KHG Karl-Heinz Gerschmann, Münster KHL Karl-Heinz Lembeck, Würzburg KJG Klaus-Jürgen Grün, Frankfurt a.M.

KK Klaus Kahnert, Bochum KRL Karl-Reinhard Lohmann, Witten KS Kathrin Schulz, Würzburg KSH Klaus Sachs-Hombach, Magdeburg LG Lutz Geldsetzer, Düsseldorf LR Leonhard Richter, Würzburg MA Mauro Antonelli, Graz MB Martin Beisler, Gerbrunn MBI Marcus Birke, Münster MBO Marco Bonato, Tübingen MD Max Deeg, Cardiff MDB Matthias Bloch, Bochum ME Michael Esfeld, Münster MFM Martin F.

Meyer, Koblenz/Landau MK Matthias Kunz, München MKL Martin Kleinsorge, Aachen MKO Mathias Koßler, Mainz ML Mark Lekarew, Berlin MLE Michael Leibold, Würzburg MM Matthias Maring, Karlsruhe MN Marcel Niquet, Frankfurt a.M. MQ Michael Quante, Köln MR Mathias Richter, Berlin MRM Marie-Luise Raters-Mohr, Potsdam MS Manfred Stöckler, Bremen MSI Mark Siebel, Hamburg MSP Michael Spang, Ellwangen MSU Martin Suhr, Hamburg MW Markus Willaschek, Münster MWÖ Matthias Wörther, München NM Norbert Meuter, Berlin OB Oliver Baum, Bochum OFS Orrin F.

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TK Thomas Kisser, München TM Thomas Mormann, Unterhaching TN Thomas Noetzel, Marburg TP Tony Pacyna, Jena TW Thomas Welt, Bochum UB Ulrich Baltzer, München UT Udo Tietz, Berlin UM Ulrich Metschl, München/Leonberg VG Volker Gerhardt, Berlin VM Verena Mayer, München VP Veit Pittioni, Innsbruck VR Virginie Riant, Vechta WAM Walter Mesch, Heidelberg WB Wilhelm Baumgartner, Würzburg WH Wolfram Hinzen, Bern WJ Werner Jung, Duisburg WK Wulf Kellerwessel, Aachen WL Winfried Löffler, Innsbruck WM Wolfgang Meckel, Butzbach WN Wolfgang Neuser, Kaiserslautern WP Wolfgang Pleger, Cochem/Dohr WS Werner Schüßler, Trier WST Wolfgang Struck, Erfurt WSU Wolfgang Schulz, Tübingen WvH Wolfram von Heynitz, Weiburg Herausgegeben von Peter Prechtl (†) und Franz-Peter Burkard.

: Nihilismus

Was glauben Nihilisten?

Warum Menschen glauben: Kleines ABC des (Un-)Glaubens „Die Götter Griechenlands”: Ein mythologisches Decken- und Wandbild des Malers Peter Cornelius. Foto: dpa Was unterscheidet einen Atheisten vom einem Theisten? Woran glaubt der Materialist? Was hält der Agnostiker für wahr? Hier finden Sie die Antworten: Stuttgart – Es gibt in der Religions- und Philosophiegeschichte sehr unterschiedliche Antworten auf die Frage, was die Welt im Innersten zusammenhält.

  1. Hier einige wichtige Anschauungen: Agnostiker Wer meint, dass die Existenz oder Nicht-Existenz eines höheren Wesens ungeklärt oder generell nicht zu klären ist, nennt sich Agnostiker.
  2. Den Begriff prägte der britische Biologe Thomas Henry Huxley (1825–1895).
  3. Auf die Frage „Gibt es einen Gott?” antworten Agnostiker ausweichend: „Ich weiß nicht”, „es ist unbeantwortbar” oder „es ist irrelevant”.

Atheisten Gott und Götter seien eine Erfindung des Menschen. Es gibt keinen Schöpfer der Welt, der sie erhält und lenkend eingreift. „Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüt einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist.

  • Sie ist das Opium des Volks”, sagt der deutsche Philosoph Karl Marx (1818–1883).
  • Deisten Wer sich Deist nennt, glaubt an einen Schöpfergott, dessen Existenz mit Hilfe des Verstandes begründbar und nachvollziehbar ist.
  • Im Gegensatz zu Theisten gehen Deisten davon aus, dass Gott nicht mehr in das Weltgeschehen eingreift.

Ein berühmter Vertreter ist Gottfried Wilhelm Leibniz (1646–1716). Er vergleicht Gott mit einem Uhrmacher, der die Welt als perfekte Uhr geschaffen hat und sich seitdem nicht mehr um sie kümmert. Materialisten Außer der Materie und ihren Gesetzmäßigkeiten existiert nichts.

  • Gedanken, Gefühle, Bewusstsein und Glaube lassen sich auf materielle Erscheinungsformen zurückführen.
  • Der französische Aufklärungsphilosoph Paul Henri Thiry d’Holbach (1723–1789) erklärt, die Natur wirke aus sich selbst, alle Prozesse liefen nach einem festen Schema ab.
  • Religion und freier Wille seien eine Selbsttäuschung.

Die Natur werde geformt durch die Anordnung der Atome. Monotheisten Wer glaubt, dass die Welt von einem persönlichen Gott oder von Göttern erschaffen wurde, ist ein Anhänger des Theismus. Monotheisten kennen nur einen einzigen Gott (das Wort stammt vom griechischen „mónos” – allein, einzig – und „theós” – Gott), der nach der Schöpfung in die Welt aktiv eingreift und sich offenbart.

Die drei wichtigsten monotheistischen Religionen sind das Christentum, der Islam und das Judentum. Nihilisten Wer an gar nichts glaubt, nichts für wahr hält und selbst die Möglichkeit einer objektiven Seins- und Wertordnung verneint, geht als Nihilist (von lateinisch „nihil” – nichts) durchs Leben. Die Interessen des Einzelnen haben Vorrang vor den Interessen der vielen.

Der Nihilist darf seine Triebe und Neigungen ausleben, weil ihm alles erlaubt ist. Würde der Nihilismus die Welt regieren, wären Anarchie, Chaos und Untergang die Folge. Pantheisten Die Anhänger des Pantheismus gehen davon aus, dass Gott eins ist mit dem Kosmos und der Natur.

Er existiert in allen Dingen und ist mit der Welt identisch. Einen als Person und Schöpfer gedachten Gott verneinen sie. Stattdessen stammt alles aus einem geistigen Urgrund, der alles in allem ist und alles steuert. Für den italienischen Philosophen Giordano Bruno (1548–1600) ist das Göttliche Teil des Ewigen, das sich in allen Dingen offenbart.

Auch Albert Einstein (1879–1955) stand solchen Vorstellungen nahe. „Es scheint hart, dem Herrgott in die Karten zu gucken. Aber dass er würfelt und sich telepathischer Mittel bedient, kann ich keinen Augenblick glauben.” Polytheisten Sie glauben an einen Götterhimmel, in dem ein Obergott das Sagen über eine Schar von Göttern hat – wie Zeus in der griechischen und Odin in der nordischen Mythologie.

Ist Nietzsche ein Nihilist?

Nietzsche als Philosoph Archiv Die Nietzsche-Renaissance ist schon eine Weile vorbei. Jetzt endlich erscheint in deutscher Übersetzung Arthur C. Dantos Buch “Nietzsche als Philosoph”, das bereits 1965 in New York publiziert wurde. In jener Zeit wurde der Nietzsche-Renaissance durch Bücher wie “Nietzsche und die Philosophie” von Gilles Deleuze, Paris 1962 oder 1971 von Wolgang Müller-Lauters “Nietzsche – Seine Philosophie der Gegensätze und die Gegensätze seiner Philosophie” der Weg bereitet. Ist das Buch also nicht zu alt, eben überholt, um noch übersetzt zu werden? Wenn man das Buch anliest, bestätigt sich dieser Verdacht durch einleitende Fragestellungen, die man längst für erledigt hält. Natürlich hat das Buch gerade dazu beigetragen, daß nach dreißig Jahren ein solcher Eindruck entstehen kann.

Aber ist das jetzt etwa ein Argument für seine Übersetzung? Das neue Vorwort zur deutschen Ausgabe greift eine solche Debatte auf, die abgeschlossen erschien: Die Frage nach dem Verhältnis von Nietzsches Philosophie zur Gewalt, was noch Georg Lukàcs mit seiner These “Von Nietzsche zu Hitler” in der ersten Hälfte dieses Jahrhundert nicht zufällig um eine politische Dimension bereicherte.

Danto hebt genau damit an, daß vor kurzem erst eine Gruppe Jugendlicher aus Pearl River im US-Bundesstaat Mississippi einen mörderischen Streifzug mit dem Hinweis auf Nietzsches Übermenschen verteidigt hätten und eben damit, daß sie sich fern der Masse fühlten, die Nietzsche die Herde nennt.

Dieser Herde aber – das heißt ihren Lehrern, Eltern und spröden Klassenkameradinnen – wollten sie eben einen Denkzettel verpassen. Ist Nietzsches Verhältnis zur Gewalt, das Dantos Buch bereits 1965 inspiriert hat, heute ob der Nietzsche-Debatten erledigt? Danto schreibt: “Während ich damals die Berichte in der ‘New York Times’ verfolgte, wurde mir klar, wie verderblich Nietzsche – als Prophet des Übermenschen, als Kritiker der Herdenmoral und Antichrist von eigenen Gnaden – noch immer für haltlose Geister sein kann, für Geister, die in ihm jemanden entdeckt zu haben glauben, der endlich einmal ihren Wert zu schätzen weiß, der in ihr Innerstes zu blicken vermag, dem ihr Schmerz vertraut ist, der ihnen erzählt, sie stünden jenseits von Gut und Böse, und der schließlich ihrem Willen zur Macht den Segen gibt.” Doch spätestens seit in den siebziger und achtziger Jahren Linke und Postmoderne vornehmlich in Frankreich und Italien Nietzsches Idee des Übermenschen als Programm der Befreiung von den Zwängen eines brutalen Realitätsprinzips feierten – so beispielsweise 1974 der bekannte italienische Nietzsche-Interpret Gianni Vattimo -, seither hat man Nietzsches Denken kaum noch mit dem Problem der Gewalt verknüpft.

Wenn sich Neonazis auf Nietzsche berufen, so übersieht man geflissentlich, daß bei Nietzsche Sätze stehen, auf die sie sich als Kronzeugen in der Tat berufen können: “Obwohl sich in den letzten vier Jahrzehnten genügend Intellektuelle redlich darum bemüht haben, Nietzsche in eine gütige Erscheinung zu verwandeln – sei es nun in einen Hermeneutiker, einen Dekonstruktivisten oder analytischen Philosophen, sei es in einen Sprachkünstler oder einen Feministen -, lassen sich durch seine grelle Bildersprache und seinen flammenden Duktus noch immer einige jugendliche Wirrköpfe dazu bringen, widerspenstige Mädchen niederzuschießen, ihre nörgelnden Mütter zu erdolchen oder auch einfach Tiere zu foltern, um damit ihre unerschütterliche Stärke unter Beweis zu stellen.

Daß er gemeinhin als großer Philosoph gilt, adelt seine markigen Worte überdies mit einer gewissen Autorität.” Der Philosoph, der nach eigenen Worten “mit dem Hammer philosophiert”, hat in der Tat Tendenzen, die man nicht verharmlosen sollte, einen seltsamen Vitalismus beispielsweise, der seiner These, daß Leben Töten heißt, einen Hauch von Normativität verleiht, selbst wenn diese These nur deskriptiv gemeint sein sollte.

Er redet nicht bloß negativ von der blonden Bestie und überzieht die jüdischen Priester mit harscher Kritik. Vor allem aber zeichnet seine Werke eine derart aggressiv pathetische Sprache aus, die nicht bloß mißverstanden werden kann, die vor allem auch seinem eigenen Anspruch völlig widerspricht, gerade nicht bloß aus Ressentiment gegenüber einer häßlichen Welt zu schreiben.

  • Daher will Danto auch Nietzsche gegen sich selbst verwenden.
  • Also sprach Zarathustra” gilt zwar weithin als sein bestes sowohl philosophisches als auch literarisches Buch.
  • Nüchtern betrachtet schwelgt es eigentlich mit großer Geste in Animositäten gegenüber der Welt der ‘letzten Menschen’, wie er seine Zeitgenossen nennt.

Sicherlich hat diese Sprache ein Jahrhundert lang genau den Ton jugendbewegter Zeitgenossen getroffen, die diese Welt aus ganzem Herzen ablehnten und natürlich auch verbessern wollten. Aber es war das Jahrhundert des europäischen Bürgerkriegs, zweier verheerender Weltkriege und unzähliger anderer Gewalttaten, die fast alle entweder revolutionär oder gegenrevolutionär gemeint waren.

Und war es nicht die Zeit des großen Irrtums, den Nietzsche schon benannt hat, an dem er aber selber – nicht zuletzt durch das Ressentiment seiner Sprache – Anteil hat? Insofern kam eine der wesentlichen Intentionen von Dantos Buch 1965 wahrscheinlich zu früh und ist heute keineswegs überholt. Es geht Danto mit seinem Buch heute wie damals darum, Nietzsche zu entwaffnen beziehungsweise zu zivilisieren.

Allerdings will Danto dabei weniger Nietzsche gerecht werden, als ein “Schutzgitter” zwischen dem aggressiven Nietzsche und dem “wehrlosen Leser” einziehen. Denn, so Danto: “Ich bin mir (.,) sicher, daß Nietzsche, das von ihm Gesagte auch buchstäblich so gemeint hat, wie es die Terroristen der Pearl River High School aufgefaßt haben.

Er hätte es nicht gern gesehen, daß man sein Denken auf eine Metapher hin relativiert und seine Aufrufe in Tropen verwandelt. Klar und beißend schrieb er, und seine Texte krönte er mit leuchtenden Bildern, damit der Geist nur um so besser zur Aufnahme der scharfen und pointierten Botschaften bereit sei, die Nietzsche um jeden Preis in das Fleisch der betreffenden Seele einpflanzen wollte.” Ob man Nietzsche wirklich unterstellen darf, daß dergleichen Schandtaten im Sinne seiner Philosophie seien, dabei muß man Danto nicht unbedingt folgen.

Aber daß das Nietzschesche Pathos noch dem einer Zeit entspricht, die in jedem Fall durch weltablehnendes Ressentiment geprägt war, eine Zeit, die seit 1989 an ihr Ende gelangt sein könnte, läßt die deutsche Übersetzung von Dantos Buch, die Burkhard Wolf mit einer gewissen Freiheit doch gut gelungen ist, gerade rechtzeitig erscheinen.

Denn heute könnte man eher dazu bereit sein, Nietzsches Einsichten in die Struktur der Vernunft und der Moral zu reflektieren und man muß sich nicht unbedingt mehr an seiner harschen Zeitkritik laben. Heute könnte man vielleicht weniger Nietzsches aggressiv pathetischen Ton goutieren, als seine prägnanten Analysen der abendländischen Kulturentwicklung überdenken.

Das ist genau die Perspektive von Dantos Nietzsche Buch, die bereits sein Titel anklingen läßt. Das macht seine Übersetzung ins Deutsche eminent zeitgemäß. Danto entwirft Nietzsche nicht allein als Hermeneutiker, Dekonstruktivisten oder philosophischen Analytiker, sondern allgemeiner eben als Philosophen.

  • Der Titel des Buches soll in der Tat Programm sein.
  • Lingt diese Perspektive nicht überraschend banal? Was ist Nietzsche denn sonst, wenn nicht Philosoph? Einerseits muß man dabei beachten, daß Danto zur analytischen Philosophie zählt, der vorherrschenden philosophischen Richtung in der angelsächsischen wie der deutschsprachigen Welt.

Die analytische Philosophie geht von einem strengen Begriff der Rationalität und der Methodologie aus, dem Nietzsche natürlich nicht genügt. Viele von Dantos philosophischen Mitstreitern rümpfen selbst heute noch die Nase, wenn sie den Namen ‘Nietzsche’ hören.

  1. Als Philosophen wollen sie ihn bestimmt nicht gelten lassen.
  2. Insofern ist es sicher das Verdienst von Dantos Buch, wenn Nietzsche in den letzten drei Jahrzehnten auch in der Welt der analytischen Philosophie als Philosoph Anerkennung erhielt.
  3. Andererseits Nietzsche als Philosophen zu präsentieren, das hängt vor allem mit besagter Intention des Buches zusammen, Nietzsche für den unbedarften Leser zu domestizieren – aus dem Raubtier Nietzsche, das in verwirrten Köpfen gefährlich zu spuken vermag, ein brauchbares Haustier zu formen.

Eben deshalb stellt Danto den Philosophen Nietzsche just Nietzsche als dem Propheten des Übermenschen entgegen. Er will damit auch nicht den Propheten domestizieren, wie es vielleicht die großen postmodernen Nietzsche-Interpreten Deleuze und Vattimo unternommen haben, eine Zügelung, deren Erfolgsaussichten Danto gerade für so fragwürdig wie unangemessen hält.

Wenn das Buch vielmehr Nietzsche als Philosophen präsentiert, dann will es damit die gefährliche Seite Nietzsches nicht überspielen, sondern auf diese hinweisen, sie entschärfen und trotzdem aber die philosophisch innovativen Seiten Nietzsches nicht aufgeben. Im Anhang, der drei spätere Essays Dantos zu Nietzsche enthält und der damit die ursprüngliche englische Ausgabe auch um einschlägige Texte erweitert, verschärft Danto diese kritische Perspektive Nietzsche gegenüber.

Den ‘Philosophen’ Nietzsche bestimmt Danto jetzt genauer als ‘semantischen Nihilisten’, der Gott wie die Frage nach der Möglichkeit von Wahrheit als Sprachproblem abtut. Dabei bezieht sich Danto auf eine berühmte Stelle aus Nietzsches Text “Die fröhliche Wissenschaft”, wo es heißt: “Es ist kein Zweifel, der Wahrhaftige, in jenem verwegenen und letzten Sinne, wie ihn der Glaube an die Wissenschaft voraussetzt, bejaht damit eine andere Welt als die des Lebens, der Natur und der Geschichte; und insofern er diese ‘andre Welt’ bejaht, wie? muß er nicht ebendamit ihr Gegenstück, diese Welt, unsre Welt – verneinen?” Die moderne Wissenschaft will die Welt erklären, wie sie wirklich ist.

Sie will wahre Aussagen über die Welt formulieren. Doch ihre Methoden – beispielsweise Berechnung, Experiment, Beobachtung – mögen im Überlebenskampf nützliche Dienste geleistet haben. Sie sind aber bloße Erfidungen des menschlichen Geistes, von denen man nicht wissen kann, ob sie die Natur erfassen, wie die Natur wirklich ist.

Mit der Orientierung an der Wahrheit beseelt die Wissenschaft daher eine alte Obsession. Nietzsche schreibt weiter: “Doch man wird es begriffen haben, worauf ich hinaus will, nämlich daß es immer noch ein metaphysischer Glaube ist, auf dem unser Glaube an die Wissenschaft ruht, – daß auch wir Erkennenden von heute, wir Gottlosen und Antimetaphysiker, auch unser Feuer noch von dem Brande nehmen, den ein Jahrtausende alter Glaube entzündet hat, jener Christen-Glaube, der auch der Glaube Plato’s war, daß Gott die Wahrheit ist, daß die Wahrheit göttlich ist.” Für Danto ist Nietzsche Nihilist, weil er die großen Welterklärungsmodelle der Religion wie der Wissenschaft ablehnt, weil er die Idee der Wahrheit ablehnt, die beide, so Nietzsche, vereint und die sie dadurch gegenseitig desavouiert.

  • Auch die wissenschaftliche Wahrheit orientiert sich nicht am wirklichen Leben, sondern an ihren Prinzipien und Methoden, bleibt somit jenseitig.
  • Durch den Begriff der Wahrheit aber – Danto zitiert Nietzsche weiter – entgeht auch die Wissenschaft nicht dem Schicksal der Religion nach dem Tode Gottes.
  • Nietzsche: “Aber wie, wenn dies gerade immer mehr unglaubwürdig wird, wenn Nichts sich mehr als göttlich erweist, es sei denn der Irrtum, die Blindheit, die Lüge, – wenn Gott selbst sich als unsre längste Lüge erweist.” Nietzsche ist also Nihilist, weil er gleichermaßen Gott wie die Idee der Wahrheit als Lüge abtut.
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Warum aber bezeichnet Danto Nietzsche einen ‘semantischen’ Nihilisten? Um diese Frage zu beantworten, greift Danto auf den von Nietzsche selbst nicht veröffentlichten frühen Essay “Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinne” zurück, der, so Danto, in der gegenwärtigen postmodernen Debatte den Begriff der Dekonstruktion angeregt hat.

  • Die Wahrheit ist deswegen genauso wie Gott eine Lüge, weil die Sprache die Welt nicht vorführt, wie sie wirklich ist, sondern weil die Sprache, so Nietzsche, nur aus einem Heer von Metaphern besteht.
  • Die Bedeutung beziehungsweise eben die Semantik eines Wortes spricht nicht die Welt aus, sondern verweist nur auf andere Worte, auf andere Bedeutungen, die in der Metapher eben verdichtet werden.

Nietzsche negiert also nicht nur Gott und die Wahrheit, sondern auch die Übereinstimmung von Sprache und Welt, ist also ein semantischer Nihilist. Dem möchte Danto allerdings wirklich nicht mehr folgen; denn dieser semantische Nihilismus führt in gefährliche Postmodernismen.

“Man kann fragen, ob die Behauptung, die ganze Sprache sei metaphorisch, nicht selbst metaphorisch ist”, so Danto.(.,) “Wenn ja, gibt es keinen Grund, ihr zu glauben, wenn sie jedoch keine Lüge, weil nicht metaphorisch ist, ist sie einfach falsch – und abermals gibt es dann keinen Grund, ihr zu glauben.

Die Grundlegung der Dekonstruktion dekonstruiert sich selbst, läßt aber natürlich die Frage offen, was denn eine Metapher sei, und was nicht.” Die Grundidee des Buches, nämlich aus Nietzsche einen Philosophen zu machen, beziehungsweise den philosophischen Gehalt seiner Gedanken vom prophetischen zu trennen, um ihnen ihr Gefährdungspotential zu nehmen, erfährt in den drei Essays im Anhang, um die das ursprüngliche Buch ergänzt wurde, also auch noch eine zeitgemäße Bekräftigung, die die Diskussion seit 1965 einbezieht – eine deutliche Erweiterung der Perspektive gegenüber der ursprünglichen englischen Version.

Auch wenn man Danto nicht in allen Konklusionen folgen will, so stellt das Buch doch eine umfassende Auseinandersetzung mit Nietzsche dar, die nicht nur die wesentlichen Aspekte seines Werkes behandelt, die die Nietzsche-Renaissance der letzten Jahrzehnte geprägt haben: nämlich die Themen Kunst, Psychologie, Religion, Übermensch, ewige Wiederkunft und Wille zur Macht, denen jeweils einzelne Kapitel gewidmet sind.

Das Buch holt auch deshalb die aktuellen Debatten ein, weil es sich im Anhang gerade mit jenen Nietzsche-Texten befaßt, die die Postmoderne-Debatte über Sprache und Ethik geprägt haben, nämlich Nietzsches Schriften “Morgenröte”, “Zur Genealogie der Moral” und “Die fröhliche Wissenschaft”.

  • Es zitiert praktisch alle für die jüngste Nietzsche-Renaissance wichtigen Stellen aus dem Werk Nietzsches.
  • Danto hat dabei Nietzsche selbst nur partiell auf Deutsch gelesen, nämlich nur den 1965 noch nicht übersetzten Nachlaß.
  • Jetzt liegt also ein Text mit Orginalzitaten vor und nicht nur mit Übersetzungen aus dem Deutschen.

Aber das Buch umfaßt nicht nur die von ihm selbst mitbewegte Nietzsche-Debatte. Retrospektiv im Vorwort wie im Anhang überprüft Danto zugleich seine eigenen Thesen, inwieweit sie nach dreißig Jahren revidiert werden müssen. Doch wer auf spannende Widerrufe gehofft hat, der sieht sich enttäuscht.

Es wäre bei einem so solide arbeitenden analytischen Philosophen wie Danto auch eher verwunderlich gewesen. Immerhin gibt Danto zu, daß er 1965 die literarische Qualität von Nietzsches Texten unterschätzt habe. Er hielt sie damals für aus Aphorismen im Grunde beliebig zusammengestellte Schriften, die man auch anders hätte ordnen können.

Zwischenzeitlich erkennt er ihre literarische Formung doch an. Damit eröffnet sich ihm im Anhang die Möglichkeit, Nietzsche als Literaten zu interpretieren – für Danto auch eine Chance der Domestizierung, weil Literatur – so Danto – keine Aufforderung zum Handeln darstellt.

Andererseits wiederholt Danto seine so provokante wie brillante These von 1965: “Seltsamerweise setze kein einziges unter Nietzsches Werken ‘irgendein anderes als bekannt voraus.’ Somit könne man ‘seine Schriften problemlos auch in irgendeiner anderen Reihenfolge lesen, ohne daß seine Gedanken dabei an Verständlichkeit einbüßen müßten.’ Bei allem Bedauern – eben das ist noch immer meine Ansicht.

Keiner der jüngsten Textfunde scheint mir als solcher den gedanklichen Zusammenhang wirklich in Frage zu stellen, den ich in Nietzsche als Philosoph zu knüpfen versucht habe.” : Nietzsche als Philosoph

Was ist positiver Nihilismus?

Optimistischer Nihilismus bedeutet, dass das heißt, dass wir vollkommen frei sind, unserem Leben jeden Sinn zu geben, den wir wollen, und dass nichts und niemand in dieser Wahl ein Mitspracherecht hat, wenn wir es ihnen nicht einräumen.

Was ist der Übermensch nach Nietzsche?

Wer ist Nietzsches Übermensch? Digital Lecture von Professor Dr. Markus Wild (Universität Basel) im Rahmen des Workshops „Nietzsches Konzeption des Menschen als historischem Wesen im Kontext des 19. Jahrhunderts” Der Ausdruck «Übermensch» ist eng mit Friedrich Nietzsches Namen verbunden.

  • Nietzsches Idee ist umstritten und schwer zu deuten.
  • Verstärkt wird dieser Umstand dadurch, dass Nietzsche diese Idee in der vieldeutigen Lehrdichtung «Also sprach Zarathustra» eingeführt hat.
  • Im ersten Teil (1883) beginnt Zarathustra seine Tätigkeit als Lehrer mit den Worten «Ich lehre euch den Übermenschen» und stellt diese Lehre sogleich in den Kontext des Darwinismus, der Überwindung des Menschen und der Kulturkritik.

In dem Vortrag wird Markus Wild die Idee des Übermenschen deuten, wie er im ersten Teil des Zarathustra vorkommt. Seine Antwort auf die Titelfrage lautet: Übermensch ist derjenige Mensch, der sämtliche Aufgaben, die «Also sprach Zarathustra» stellt, erfüllt haben wird.

Nietzsches Dichtung ist sozusagen ein überdimensionierter Forschungsantrag an die Zukunft. Auch Nietzsches Werke nach dem Zarathustra sind Deutungsversuche dieser Dichtung. Markus Wild lehrt seit 2013 Theoretische Philosophie an der Universität Basel. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten gehören die Philosophie der Neuzeit und die Philosophie des Geistes.

Bekannt geworden ist er durch seine Arbeiten zur Tierphilosophie. Moderation: Dr. Rebekka Hufendiek : Wer ist Nietzsches Übermensch?

Was ist unter Nihilismus zu verstehen?

Der Nihilismus ist die Metaphysik des Nichts in seiner konkreten Gestalt der Nichtigkeit alles Positiven – was Sein, Er- kenntnis, Sprache, Sinn, Ordnung oder Moral angeht. Er kann dabei naturgemäß ausschließlich als Verneinung des Positiven, das er voraussetzt, operieren.

Was ist unter Nihilismus zu verstehen?

Der Nihilismus ist die Metaphysik des Nichts in seiner konkreten Gestalt der Nichtigkeit alles Positiven – was Sein, Er- kenntnis, Sprache, Sinn, Ordnung oder Moral angeht. Er kann dabei naturgemäß ausschließlich als Verneinung des Positiven, das er voraussetzt, operieren.

Ist Nietzsche ein Nihilist?

Nietzsche als Philosoph Archiv Die Nietzsche-Renaissance ist schon eine Weile vorbei. Jetzt endlich erscheint in deutscher Übersetzung Arthur C. Dantos Buch “Nietzsche als Philosoph”, das bereits 1965 in New York publiziert wurde. In jener Zeit wurde der Nietzsche-Renaissance durch Bücher wie “Nietzsche und die Philosophie” von Gilles Deleuze, Paris 1962 oder 1971 von Wolgang Müller-Lauters “Nietzsche – Seine Philosophie der Gegensätze und die Gegensätze seiner Philosophie” der Weg bereitet. Ist das Buch also nicht zu alt, eben überholt, um noch übersetzt zu werden? Wenn man das Buch anliest, bestätigt sich dieser Verdacht durch einleitende Fragestellungen, die man längst für erledigt hält. Natürlich hat das Buch gerade dazu beigetragen, daß nach dreißig Jahren ein solcher Eindruck entstehen kann.

Aber ist das jetzt etwa ein Argument für seine Übersetzung? Das neue Vorwort zur deutschen Ausgabe greift eine solche Debatte auf, die abgeschlossen erschien: Die Frage nach dem Verhältnis von Nietzsches Philosophie zur Gewalt, was noch Georg Lukàcs mit seiner These “Von Nietzsche zu Hitler” in der ersten Hälfte dieses Jahrhundert nicht zufällig um eine politische Dimension bereicherte.

Danto hebt genau damit an, daß vor kurzem erst eine Gruppe Jugendlicher aus Pearl River im US-Bundesstaat Mississippi einen mörderischen Streifzug mit dem Hinweis auf Nietzsches Übermenschen verteidigt hätten und eben damit, daß sie sich fern der Masse fühlten, die Nietzsche die Herde nennt.

  • Dieser Herde aber – das heißt ihren Lehrern, Eltern und spröden Klassenkameradinnen – wollten sie eben einen Denkzettel verpassen.
  • Ist Nietzsches Verhältnis zur Gewalt, das Dantos Buch bereits 1965 inspiriert hat, heute ob der Nietzsche-Debatten erledigt? Danto schreibt: “Während ich damals die Berichte in der ‘New York Times’ verfolgte, wurde mir klar, wie verderblich Nietzsche – als Prophet des Übermenschen, als Kritiker der Herdenmoral und Antichrist von eigenen Gnaden – noch immer für haltlose Geister sein kann, für Geister, die in ihm jemanden entdeckt zu haben glauben, der endlich einmal ihren Wert zu schätzen weiß, der in ihr Innerstes zu blicken vermag, dem ihr Schmerz vertraut ist, der ihnen erzählt, sie stünden jenseits von Gut und Böse, und der schließlich ihrem Willen zur Macht den Segen gibt.” Doch spätestens seit in den siebziger und achtziger Jahren Linke und Postmoderne vornehmlich in Frankreich und Italien Nietzsches Idee des Übermenschen als Programm der Befreiung von den Zwängen eines brutalen Realitätsprinzips feierten – so beispielsweise 1974 der bekannte italienische Nietzsche-Interpret Gianni Vattimo -, seither hat man Nietzsches Denken kaum noch mit dem Problem der Gewalt verknüpft.

Wenn sich Neonazis auf Nietzsche berufen, so übersieht man geflissentlich, daß bei Nietzsche Sätze stehen, auf die sie sich als Kronzeugen in der Tat berufen können: “Obwohl sich in den letzten vier Jahrzehnten genügend Intellektuelle redlich darum bemüht haben, Nietzsche in eine gütige Erscheinung zu verwandeln – sei es nun in einen Hermeneutiker, einen Dekonstruktivisten oder analytischen Philosophen, sei es in einen Sprachkünstler oder einen Feministen -, lassen sich durch seine grelle Bildersprache und seinen flammenden Duktus noch immer einige jugendliche Wirrköpfe dazu bringen, widerspenstige Mädchen niederzuschießen, ihre nörgelnden Mütter zu erdolchen oder auch einfach Tiere zu foltern, um damit ihre unerschütterliche Stärke unter Beweis zu stellen.

Daß er gemeinhin als großer Philosoph gilt, adelt seine markigen Worte überdies mit einer gewissen Autorität.” Der Philosoph, der nach eigenen Worten “mit dem Hammer philosophiert”, hat in der Tat Tendenzen, die man nicht verharmlosen sollte, einen seltsamen Vitalismus beispielsweise, der seiner These, daß Leben Töten heißt, einen Hauch von Normativität verleiht, selbst wenn diese These nur deskriptiv gemeint sein sollte.

Er redet nicht bloß negativ von der blonden Bestie und überzieht die jüdischen Priester mit harscher Kritik. Vor allem aber zeichnet seine Werke eine derart aggressiv pathetische Sprache aus, die nicht bloß mißverstanden werden kann, die vor allem auch seinem eigenen Anspruch völlig widerspricht, gerade nicht bloß aus Ressentiment gegenüber einer häßlichen Welt zu schreiben.

  • Daher will Danto auch Nietzsche gegen sich selbst verwenden.
  • Also sprach Zarathustra” gilt zwar weithin als sein bestes sowohl philosophisches als auch literarisches Buch.
  • Nüchtern betrachtet schwelgt es eigentlich mit großer Geste in Animositäten gegenüber der Welt der ‘letzten Menschen’, wie er seine Zeitgenossen nennt.

Sicherlich hat diese Sprache ein Jahrhundert lang genau den Ton jugendbewegter Zeitgenossen getroffen, die diese Welt aus ganzem Herzen ablehnten und natürlich auch verbessern wollten. Aber es war das Jahrhundert des europäischen Bürgerkriegs, zweier verheerender Weltkriege und unzähliger anderer Gewalttaten, die fast alle entweder revolutionär oder gegenrevolutionär gemeint waren.

  1. Und war es nicht die Zeit des großen Irrtums, den Nietzsche schon benannt hat, an dem er aber selber – nicht zuletzt durch das Ressentiment seiner Sprache – Anteil hat? Insofern kam eine der wesentlichen Intentionen von Dantos Buch 1965 wahrscheinlich zu früh und ist heute keineswegs überholt.
  2. Es geht Danto mit seinem Buch heute wie damals darum, Nietzsche zu entwaffnen beziehungsweise zu zivilisieren.

Allerdings will Danto dabei weniger Nietzsche gerecht werden, als ein “Schutzgitter” zwischen dem aggressiven Nietzsche und dem “wehrlosen Leser” einziehen. Denn, so Danto: “Ich bin mir (.,) sicher, daß Nietzsche, das von ihm Gesagte auch buchstäblich so gemeint hat, wie es die Terroristen der Pearl River High School aufgefaßt haben.

  • Er hätte es nicht gern gesehen, daß man sein Denken auf eine Metapher hin relativiert und seine Aufrufe in Tropen verwandelt.
  • Lar und beißend schrieb er, und seine Texte krönte er mit leuchtenden Bildern, damit der Geist nur um so besser zur Aufnahme der scharfen und pointierten Botschaften bereit sei, die Nietzsche um jeden Preis in das Fleisch der betreffenden Seele einpflanzen wollte.” Ob man Nietzsche wirklich unterstellen darf, daß dergleichen Schandtaten im Sinne seiner Philosophie seien, dabei muß man Danto nicht unbedingt folgen.

Aber daß das Nietzschesche Pathos noch dem einer Zeit entspricht, die in jedem Fall durch weltablehnendes Ressentiment geprägt war, eine Zeit, die seit 1989 an ihr Ende gelangt sein könnte, läßt die deutsche Übersetzung von Dantos Buch, die Burkhard Wolf mit einer gewissen Freiheit doch gut gelungen ist, gerade rechtzeitig erscheinen.

  • Denn heute könnte man eher dazu bereit sein, Nietzsches Einsichten in die Struktur der Vernunft und der Moral zu reflektieren und man muß sich nicht unbedingt mehr an seiner harschen Zeitkritik laben.
  • Heute könnte man vielleicht weniger Nietzsches aggressiv pathetischen Ton goutieren, als seine prägnanten Analysen der abendländischen Kulturentwicklung überdenken.

Das ist genau die Perspektive von Dantos Nietzsche Buch, die bereits sein Titel anklingen läßt. Das macht seine Übersetzung ins Deutsche eminent zeitgemäß. Danto entwirft Nietzsche nicht allein als Hermeneutiker, Dekonstruktivisten oder philosophischen Analytiker, sondern allgemeiner eben als Philosophen.

  • Der Titel des Buches soll in der Tat Programm sein.
  • Lingt diese Perspektive nicht überraschend banal? Was ist Nietzsche denn sonst, wenn nicht Philosoph? Einerseits muß man dabei beachten, daß Danto zur analytischen Philosophie zählt, der vorherrschenden philosophischen Richtung in der angelsächsischen wie der deutschsprachigen Welt.

Die analytische Philosophie geht von einem strengen Begriff der Rationalität und der Methodologie aus, dem Nietzsche natürlich nicht genügt. Viele von Dantos philosophischen Mitstreitern rümpfen selbst heute noch die Nase, wenn sie den Namen ‘Nietzsche’ hören.

Als Philosophen wollen sie ihn bestimmt nicht gelten lassen. Insofern ist es sicher das Verdienst von Dantos Buch, wenn Nietzsche in den letzten drei Jahrzehnten auch in der Welt der analytischen Philosophie als Philosoph Anerkennung erhielt. Andererseits Nietzsche als Philosophen zu präsentieren, das hängt vor allem mit besagter Intention des Buches zusammen, Nietzsche für den unbedarften Leser zu domestizieren – aus dem Raubtier Nietzsche, das in verwirrten Köpfen gefährlich zu spuken vermag, ein brauchbares Haustier zu formen.

Eben deshalb stellt Danto den Philosophen Nietzsche just Nietzsche als dem Propheten des Übermenschen entgegen. Er will damit auch nicht den Propheten domestizieren, wie es vielleicht die großen postmodernen Nietzsche-Interpreten Deleuze und Vattimo unternommen haben, eine Zügelung, deren Erfolgsaussichten Danto gerade für so fragwürdig wie unangemessen hält.

  1. Wenn das Buch vielmehr Nietzsche als Philosophen präsentiert, dann will es damit die gefährliche Seite Nietzsches nicht überspielen, sondern auf diese hinweisen, sie entschärfen und trotzdem aber die philosophisch innovativen Seiten Nietzsches nicht aufgeben.
  2. Im Anhang, der drei spätere Essays Dantos zu Nietzsche enthält und der damit die ursprüngliche englische Ausgabe auch um einschlägige Texte erweitert, verschärft Danto diese kritische Perspektive Nietzsche gegenüber.

Den ‘Philosophen’ Nietzsche bestimmt Danto jetzt genauer als ‘semantischen Nihilisten’, der Gott wie die Frage nach der Möglichkeit von Wahrheit als Sprachproblem abtut. Dabei bezieht sich Danto auf eine berühmte Stelle aus Nietzsches Text “Die fröhliche Wissenschaft”, wo es heißt: “Es ist kein Zweifel, der Wahrhaftige, in jenem verwegenen und letzten Sinne, wie ihn der Glaube an die Wissenschaft voraussetzt, bejaht damit eine andere Welt als die des Lebens, der Natur und der Geschichte; und insofern er diese ‘andre Welt’ bejaht, wie? muß er nicht ebendamit ihr Gegenstück, diese Welt, unsre Welt – verneinen?” Die moderne Wissenschaft will die Welt erklären, wie sie wirklich ist.

Sie will wahre Aussagen über die Welt formulieren. Doch ihre Methoden – beispielsweise Berechnung, Experiment, Beobachtung – mögen im Überlebenskampf nützliche Dienste geleistet haben. Sie sind aber bloße Erfidungen des menschlichen Geistes, von denen man nicht wissen kann, ob sie die Natur erfassen, wie die Natur wirklich ist.

Mit der Orientierung an der Wahrheit beseelt die Wissenschaft daher eine alte Obsession. Nietzsche schreibt weiter: “Doch man wird es begriffen haben, worauf ich hinaus will, nämlich daß es immer noch ein metaphysischer Glaube ist, auf dem unser Glaube an die Wissenschaft ruht, – daß auch wir Erkennenden von heute, wir Gottlosen und Antimetaphysiker, auch unser Feuer noch von dem Brande nehmen, den ein Jahrtausende alter Glaube entzündet hat, jener Christen-Glaube, der auch der Glaube Plato’s war, daß Gott die Wahrheit ist, daß die Wahrheit göttlich ist.” Für Danto ist Nietzsche Nihilist, weil er die großen Welterklärungsmodelle der Religion wie der Wissenschaft ablehnt, weil er die Idee der Wahrheit ablehnt, die beide, so Nietzsche, vereint und die sie dadurch gegenseitig desavouiert.

  • Auch die wissenschaftliche Wahrheit orientiert sich nicht am wirklichen Leben, sondern an ihren Prinzipien und Methoden, bleibt somit jenseitig.
  • Durch den Begriff der Wahrheit aber – Danto zitiert Nietzsche weiter – entgeht auch die Wissenschaft nicht dem Schicksal der Religion nach dem Tode Gottes.
  • Nietzsche: “Aber wie, wenn dies gerade immer mehr unglaubwürdig wird, wenn Nichts sich mehr als göttlich erweist, es sei denn der Irrtum, die Blindheit, die Lüge, – wenn Gott selbst sich als unsre längste Lüge erweist.” Nietzsche ist also Nihilist, weil er gleichermaßen Gott wie die Idee der Wahrheit als Lüge abtut.

Warum aber bezeichnet Danto Nietzsche einen ‘semantischen’ Nihilisten? Um diese Frage zu beantworten, greift Danto auf den von Nietzsche selbst nicht veröffentlichten frühen Essay “Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinne” zurück, der, so Danto, in der gegenwärtigen postmodernen Debatte den Begriff der Dekonstruktion angeregt hat.

Die Wahrheit ist deswegen genauso wie Gott eine Lüge, weil die Sprache die Welt nicht vorführt, wie sie wirklich ist, sondern weil die Sprache, so Nietzsche, nur aus einem Heer von Metaphern besteht. Die Bedeutung beziehungsweise eben die Semantik eines Wortes spricht nicht die Welt aus, sondern verweist nur auf andere Worte, auf andere Bedeutungen, die in der Metapher eben verdichtet werden.

Nietzsche negiert also nicht nur Gott und die Wahrheit, sondern auch die Übereinstimmung von Sprache und Welt, ist also ein semantischer Nihilist. Dem möchte Danto allerdings wirklich nicht mehr folgen; denn dieser semantische Nihilismus führt in gefährliche Postmodernismen.

  1. Man kann fragen, ob die Behauptung, die ganze Sprache sei metaphorisch, nicht selbst metaphorisch ist”, so Danto.(.
  2. Wenn ja, gibt es keinen Grund, ihr zu glauben, wenn sie jedoch keine Lüge, weil nicht metaphorisch ist, ist sie einfach falsch – und abermals gibt es dann keinen Grund, ihr zu glauben.

Die Grundlegung der Dekonstruktion dekonstruiert sich selbst, läßt aber natürlich die Frage offen, was denn eine Metapher sei, und was nicht.” Die Grundidee des Buches, nämlich aus Nietzsche einen Philosophen zu machen, beziehungsweise den philosophischen Gehalt seiner Gedanken vom prophetischen zu trennen, um ihnen ihr Gefährdungspotential zu nehmen, erfährt in den drei Essays im Anhang, um die das ursprüngliche Buch ergänzt wurde, also auch noch eine zeitgemäße Bekräftigung, die die Diskussion seit 1965 einbezieht – eine deutliche Erweiterung der Perspektive gegenüber der ursprünglichen englischen Version.

Auch wenn man Danto nicht in allen Konklusionen folgen will, so stellt das Buch doch eine umfassende Auseinandersetzung mit Nietzsche dar, die nicht nur die wesentlichen Aspekte seines Werkes behandelt, die die Nietzsche-Renaissance der letzten Jahrzehnte geprägt haben: nämlich die Themen Kunst, Psychologie, Religion, Übermensch, ewige Wiederkunft und Wille zur Macht, denen jeweils einzelne Kapitel gewidmet sind.

Das Buch holt auch deshalb die aktuellen Debatten ein, weil es sich im Anhang gerade mit jenen Nietzsche-Texten befaßt, die die Postmoderne-Debatte über Sprache und Ethik geprägt haben, nämlich Nietzsches Schriften “Morgenröte”, “Zur Genealogie der Moral” und “Die fröhliche Wissenschaft”.

  • Es zitiert praktisch alle für die jüngste Nietzsche-Renaissance wichtigen Stellen aus dem Werk Nietzsches.
  • Danto hat dabei Nietzsche selbst nur partiell auf Deutsch gelesen, nämlich nur den 1965 noch nicht übersetzten Nachlaß.
  • Jetzt liegt also ein Text mit Orginalzitaten vor und nicht nur mit Übersetzungen aus dem Deutschen.

Aber das Buch umfaßt nicht nur die von ihm selbst mitbewegte Nietzsche-Debatte. Retrospektiv im Vorwort wie im Anhang überprüft Danto zugleich seine eigenen Thesen, inwieweit sie nach dreißig Jahren revidiert werden müssen. Doch wer auf spannende Widerrufe gehofft hat, der sieht sich enttäuscht.

  1. Es wäre bei einem so solide arbeitenden analytischen Philosophen wie Danto auch eher verwunderlich gewesen.
  2. Immerhin gibt Danto zu, daß er 1965 die literarische Qualität von Nietzsches Texten unterschätzt habe.
  3. Er hielt sie damals für aus Aphorismen im Grunde beliebig zusammengestellte Schriften, die man auch anders hätte ordnen können.

Zwischenzeitlich erkennt er ihre literarische Formung doch an. Damit eröffnet sich ihm im Anhang die Möglichkeit, Nietzsche als Literaten zu interpretieren – für Danto auch eine Chance der Domestizierung, weil Literatur – so Danto – keine Aufforderung zum Handeln darstellt.

Andererseits wiederholt Danto seine so provokante wie brillante These von 1965: “Seltsamerweise setze kein einziges unter Nietzsches Werken ‘irgendein anderes als bekannt voraus.’ Somit könne man ‘seine Schriften problemlos auch in irgendeiner anderen Reihenfolge lesen, ohne daß seine Gedanken dabei an Verständlichkeit einbüßen müßten.’ Bei allem Bedauern – eben das ist noch immer meine Ansicht.

Keiner der jüngsten Textfunde scheint mir als solcher den gedanklichen Zusammenhang wirklich in Frage zu stellen, den ich in Nietzsche als Philosoph zu knüpfen versucht habe.” : Nietzsche als Philosoph

Was vertritt Nietzsche?

I Einleitung – Nietzsche vertritt die Auffassung, dass es für den Menschen einen höheren Zweck gibt, nach dem sich das Streben zu richten hat. Dies spiegelt sich in seinem Sinn der Erde wider, der das Streben zum Übermenschen hin vorsieht. Der Übermensch, als ein Ideal verstanden, unterscheidet sich vom gewöhnlichen Menschen durch einen vitalen Leib und einer Ausdifferenzierung des Selbst.

Der Begriff des Selbst steht dabei für den Leib des Individuums. Der Leib ist für Nietzsche die ursprüngliche Vernunft, die den Menschen navigiert. Der Verstand bzw. Geist dient dem Leib als eine „Hand seines Willens” 1, Diese Auffassung resultiert aus Nietzsches biologisch-evolutionärer Prämisse, dass sich das Bewusstsein oder der Verstand bzw.

Geist in Folge von immer komplexer werdenden menschlichen Systemen entwickelt hat. Der Aufschwung des Geistes bringt aber nicht nur Vorteile mit sich, sondern kann den Leib auch vergiften. Den Ausgangspunkt davon sieht Nietzsche in den Wertvorstellungen von Völkern und Individuen.

Wertvorstellungen- bzw. Schätzungen agieren wie ein Filter, durch den die Umwelt bewertet wird. Negative Gedanken und Gefühle sind somit nicht „an sich” negativ, sondern lediglich bezogen auf die jeweilige Wertvorstellung. Daher lässt Nietzsche seinen Zarathustra folgendes verkünden: „Keine grössere Macht fand Zarathustra auf Erden, als gut und böse” 2,

Jegliches Streben geschieht unter der Linse der Wertsetzungen. Durchgesetzte Werte sind somit verantwortlich für moralische Systeme und somit für „gut und böse”. Das Problem liegt nun darin, dass nicht alle Wertvorstellungen den Leib bejahen, sondern im Gegenteil lebensschwächend wirken können.

  1. So betrachtet Nietzsche das Christentum beispielhaft als ein trojanisches Pferd, welches Individuum und Gesellschaft befällt.
  2. Als Folge wendet sich der Geist gegen den Leib und droht, ihn – und ins Extreme gedacht, die Menschheit – auszulöschen: „Noch ist sein Boden dazu reich genug.
  3. Aber dieser Boden wird einst arm und zahm sein, und kein hoher Baum wird mehr aus ihm wachsen können” 3,

Für Nietzsche sind solch infizierte Leiber krank und können nur durch eine Umwertung der Werte gereinigt werden. Somit müssen die bestehenden Werte überdacht und durch lebensbejahendere ersetzt werden. Zuvor muss der Verstand jedoch erkennen, dass er krank ist.

Wenn der Verstand erkennt, dass er nicht gegen seinen Leib zu agieren hat, so kann er genesen. Dies ist für Nietzsche auch eine notwendige Bedingung, um einen gesunden Willen zur Macht zu etablieren. Ein gesunder Wille äußert sich in dem eigenverantwortlichen Entwurf von Wertschätzungen und dem Willen, das Selbst zu steigern.

Die Steigerung des Selbst lässt sich dabei an Nietzsches Begriff der drei Verwandlungen illustrieren. Auf dem Weg zum Übermenschen durchläuft der Geist des Menschen drei Verwandlungen. Die erste Verwandlung zum Kamel geschieht durch die gegebenen gesellschaftlichen Wertsetzungen.

Das Kamel, das träge und ausdauernde Eigenschaften verkörpert, steht für die passive Annahme der gegebenen Werte. Durch die zweite Verwandlung zum Löwen bringt das Individuum den Mut und die Kraft auf, sich dem Kampf der eigenen Wertsetzung zu stellen. Der Löwe bleibt allerdings am Negativ der geltenden Wertsetzungen verhaftet und ist so nicht mangellos.

Die dritte und erstrebenswerteste Verwandlung ist diejenige zum Kind. Das Kind folgt allem, was seine Leiblichkeit bejaht. Es ist im Prozess eines unschuldigen Werdens oder „ein aus sich rollendes Rad” 4,

Was ist ein Nihilist?

Nihilismus m. Anschauung von der Nichtigkeit und Sinnlosigkeit aller Werte, Normen und Ziele, Bildung zu lat. nihil ‘nichts’.

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